Theater

No Limits Festival 2009

NoLimits_blaumeier_atelier_in-80_tagenVier Jahre arbeitete der koreanische Tänzer Namjin Kim mit der weltberühmten Compagnie C de la B und dem Choreografen Sidi Larbi Cherkaoui, bevor er 2006 in sein Heimatland zurückkehrte. Er gründete in Seoul eine eigene Compagnie, das Dance Theatre Chang. Kim hatte bereits einige Stücke zu spezifisch koreanischen Themen herausgebracht, als er sich vor zwei Jahren entschied, auch von seiner eigenen Familie, von sich selbst und seinem körperbehinderten Bruder zu erzählen. Von dem Stigma, dem „Behinderte“ in der koreanischen Gesellschaft ausgesetzt sind, davon, wie er selbst damit nicht fertig wurde.
Als Namjin Kim noch ein Kind war, liebten er und sein Bruder sich sehr. Doch als Kim größer wurde und merkte, wie andere ihn und den Bruder schräg ansahen, hielt er dem nicht stand. Er begann, seinen Bruder zu verachten und zu verleugnen. Er schlug und beschimpfte ihn, während der Bruder ihn, aller Misshandlung zum Trotz, aufrichtig weiter liebte. „Brother“ heißt das Stück, in dem Namjin Kim diese Geschichte erzählt. In Zürich wurde „Brother“ bereits mit Standing Ovations gefeiert, jetzt wird das Stück im Kesselhaus der Kulturbrauerei die vierte Ausgabe des Festivals No Limits eröffnen.

So international wie in diesem Jahr, sagt der Festivalleiter Andreas Meder, sei das Festival No Limits noch nie gewesen. Aus Großbritannien kommt Mat Fraser mit „The Freak and the Showgirl“ und der Revue „Beauty and the Beast“, aus Israel die Gruppe Kenafayim, aus Ungarn das Balthazar Theater mit „Picasso: Die Erschaffung der Welt“. Einiges, so Meder, habe sich in den vergangenen Jahren getan. Aber eine Selbstverständlichkeit seien professionell arbeitende „behinderte“ Künstler in der öffentlichen Wahrnehmung noch lange nicht.NoLimits_banality_dreams_ausstellung
Eben das zu ändern ist eine der Aufgaben, die sich No Limits gestellt hat. Mit verrückten, schrägen und oft ziemlich experimentellen Arbeiten, die genau das tun, was so nur in der Kunst möglich ist: Unsere Wahrnehmung auf den Kopf stellen. Nicht mit Betroffenheitskitsch und Mitleids-Appeal, sondern ganz im Gegenteil: Selbst­bewusst und mit sehr vitalem Theater. Mit Tanz, Shows, Filmen und Installationen.
Neben den ausländischen Gäs­ten ist natürlich auch Berlin stark vertreten. Neben dem Theater RambaZamba und dem Theater Thikwa (in Kooperation mit dem Theater zum westlichen Stadthirschen) sind dieses Mal auch Herbert Fritsch und Anne Tismer mit von der Partie. Fritsch liest in der Kulturbrauerei „Sprachlöchersterne“, und Anne Tismer zeigt als Deutschlandpremiere im Ballhaus Ost „Judith Lomeeiaahh!“, eine Installation mit Performance, die Tismer gemeinsam mit Künstlern aus Lomй (Togo) erfunden hat.

Text: Michaela Schlagenwerth
Foto: Mariann Menke, Marcel Morschhauer

No-Limits-Festival
in der Kulturbrauerei, Ballhaus Ost u.a.,
Do 15. bis So 25.10.,
Karten: [email protected], Tel. 44 31 51 51,

 

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