Theater

„Nordwind-Festival“ in der Volksbühne

NordwindFestival„Mein Theater ist eine Volkssauna, und der Ofen mittendrin ist die Bühne“, erklärte der finnische Regie-Star Kristian Smeds in einem Interview. „Es wird so lange Dampf gemacht, bis alle in Schweiß ausbrechen.“ Ein volksnahes Katharsis-Modell aus Finnland. Dem umstrittenen „Hooligan and Humanist“ Smeds wurde gerade der Europäische Theaterpreis für Neue Realitäten verliehen, die er mit alten russischen Klassikern schafft: Tschechow oder Dostojewski, dichtest mögliche Menschen-Beobachtungen.

Das Nordwind-Festival platziert Smeds’ neue Dostojewski-Aneignung denn auch passend an der Dostojewski-gestählten Volksbühne. Aus den drei „Brüdern Karamasow“ werden zwölf estnische Brüder und Schwestern, Studenten, die sich mit Smeds vier Schauspielstudium-Jahre lang zu Workshops getroffen haben. Antworten auf die moralischen Probleme eines Vatermords haben die „12Karamasows“ in Form eines szenischen Rockkonzerts gefunden: „Wake up, Dostojewski!“ Vom Off-Festival Impulse wurde die Produktion „Conte d’Amour“ prämiert, eine Zusammenarbeit der Finnen Nya Rampen mit den Schweden Institutet. „Conte d’Amour“ leuchtete tief in die Abgründe von Liebe, die neue Produktion von Nya Rampen greift mit „Worship!“ nach allem, was das menschliche Bedürfnis nach Welterklärung und Gemeinschaft befriedigt. In sieben Szenen, durch sieben Todsünden hindurch, spiegelt das Kollektiv die Tragödien Shakespeares.

Großes Schauspielerinnentheater pflegt das Theater Holland House aus Kopenhagen, das sich auch auf Erstaufführungen deutscher Gegenwartsdramatik spezialisiert hat. In der Regie von Jacob F. Schokking performt Trine Dyrholm, bekannt aus Thomas Vinterbergs Dogma-Film „Das Fest“, den einsamen Monolog „4:48 Psychosis“ von Sarah Kane. Zeit für eine nordische Volkssauna.

Text: Anja Quickert

Foto: Erna Omarsdottir

Nordwind 25.11.?–?4.2., Volksbühne, Dcok 11, Radialsystem u.a., genaue Termine siehe Programmteil, www.nordwind-festival.de

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