Theater

November im Renaissance-Theater

Bei November, David Mamets neuem Stück, dessen deutsche Erstaufführung Torsten Fischer am Renaissance-Theater inszeniert hat, sorgen die holzschnittartigen Klischees nicht einmal für eine halbwegs funktionierende Komödienmechanik. Ort der Handlung ist das Oval Office, handelnde Personen sind ein konservativer US-Präsident am Ende seiner ersten Amtszeit, der fürchtet, die nächste Wahl zu verlieren, sowie seine Berater und diverse Lobbyisten.
Der Grobmotoriker Rufus Beck macht aus dem Präsidenten einen viril herumfuchtelnden Anzugträger mit der Aura eines kleinen Abteilungsleiters auf Speed. Den stoisch Kaugummi mümmelnden Berater gibt der Fernsehroutinier Tilo Prückner, aber auch er kann die Knallchargendialoge nicht retten. In ihnen geht es vor allem darum, dass die Gattin des Präsidenten gerne ein Sofa aus dem Weißen Haus mitnehmen würde, während der Präsident dauernd die Länder verwechselt, mit denen die USA gerade im Krieg sind. Iran? Irak? China? Egal. Egal ist auch dieser schnell vergessene Abend, bei dem man sich vor allem drüber wundert, dass das Stück von David Mamet stammt. Immerhin hat der US-Dramatiker einmal das Drehbuch zu Wag the Dog geschrieben, eine der lustigsten, sarkastischsten und intelligentesten Filmkomödien über mit krimineller Energie geführte US-Präsidentschaftswahlkämpfe. Von diesem Niveau ist „November“ etwa so weit entfernt wie George W. Bush vom Friedensnobelpreis.

Text: PL

Foto: Barbara Braun

Tip-Bewertung: Uninteressant

November
Renaissance-Theater, Hardenbergstraße 6, Charlottenburg,
30.10.-1.11., 20 Uhr, 2.11., 18 Uhr, 3.-5., 12.-15., 17.-19.11., 20 Uhr

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