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Novoflot feiern mit einer futuristischen Oper den „Sieg über die Sonne“

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„Der Sieg über die Sonne“ von Kasimir Malewitsch sorgte vor genau 100 Jahren im Luna Park von St. Petersburg für einen Skandal. Das war auch so geplant. „Man wollte, dass sich die Leute ärgern“, so Novoflot-Regisseur Sven Holm. „Das Libretto schwankt zwischen Unlogik, Kraftmeierei und Dada.“ Bei der Suche nach Darstellern proklamierten die Futuristen: „Schauspieler und Sänger unerwünscht!“ Mit schwarzen Malewitsch-Quadraten an den Füßen konnte sich kaum ein Darsteller bewegen. Die Premiere wurde gesprengt. Teile der Partitur gingen verloren. In der bildenden Kunst genießen Malewitsch und die Seinen bis heute hohes Ansehen. Für die Operngeschichte schienen sie verloren.

Fünf Komponisten, darunter Moritz Gagern und Klaus Lang, hat man jetzt damit beauftragt, die Fragmente der Geburtsstunde des Suprematismus zu vertonen. Mal geht es um die „gegenstandslose Welt“, in der ein kleiner Apparat vorhergesagt wird, der uns alle glücklich machen soll. Dann wieder darum, die Sonne in Beton zu fassen. Der antimaterialistische, zugleich technikbesessene Futurismus wollte allem Herkömmlichen ins Gesicht schlagen. Und hat so selbst eine Tradition begründet. „Wir können nur Spuren aufnehmen“, so Holm. „Publikumsbeschimpfungen gehen auch nicht mehr.“ Die Aufsplitterung in fünf Veranstaltungen, die man separat und in Auszügen besuchen darf, entspricht der Tendenz des Originals, jeglichem Gesamtkunstwerk ein Schnippchen zu schlagen. „Jede der Künste funktioniert bei Malewitsch autoritär“, so Holm. Neben fünf Sängern und zwei Schauspielern hat man ein Kinder- und ein Seniorenensemble gecastet. Im Radialsystem ist sogar warme Kleidung angesagt. Dort spielt man draußen an der Spree.

Text: Kai Luehrs-Kaiser

Foto: Thomas Aurin

Sieg über die Sonne Hamburger Bahnhof, Akademie der Künste, Volksbühne/Glaspavillon, Radialsystem V, Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz; Sa 12.10. bis So 20.10., unterschiedliche Anfangszeiten, Karten-Tel. 200 57 10 00

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