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Nurkan Epulat inszeniert „Der Kirschgarten“ am Maxim Gorki

DerKirschgarten_c_ThomasAurinAus Tschechows bitterer Komödie macht er eine Art Stereotypen-Kabarett im Migrantenstadl, eine muntere Postmigranten-Revue samt innigem Schubert-Chorgesang („Am Brunnen vor dem Tore“) und einem tanzfreudigen türkischen Transvestiten (Fatma Souad), der schon mal programmatisch mit Aretha Franklin klar macht, worum es hier geht: „Respect“, was ja im Prinzip nie ganz falsch ist. Bedauerlicherweise ist der Preis dieser sich etwas zäh dahinschleppenden Revue, dass Tschechows Stück eher unverbindlich gestreift wird und fast keine der Figuren Prägnanz entwickelt.

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Die zentrale Figur ist nicht die verträumt weltfremde Gutsbesitzerin Ranewskaja (Ruth Reinecke) aus einer alten, vorkapitalistischen Oberschicht, die ihr Vermögen verprasst hat und am Ende ihr Landgut verliert – hier vermutlich eine Vertreterin des alten, noch sehr deutschen Deutschland. Nein, die entscheidende Figur ist der Kaufmann Lopachin (Taner Sahintürk), der Sohn eines Leibeigenen, der sich mit Bauernschläue, Härte und der Gier des Aufsteigers nach oben gearbeitet hat, aber immer noch unter seiner Unbildung und Herkunft leidet und bewundernd zur Ranewskaja aufschaut. Sahintürk macht aus Lopachin ziemlich schlüssig einen Aufsteiger aus der zweiten oder dritten Migrantengeneration. Hier funktioniert die Übersetzung von Tschechows vorrevolutionärem Russland ins postmigrantische heute, die sonst über weite Strecken etwas konfus wirkt.

Text: Peter Laudenbach

Foto: Thomas Aurin

tip-Bewertung: Zwiespältig

Der Kirschgarten Maxim Gorki Theater, Mi 4., Mi 11., Mi 25.12., 19.30 Uhr, Karten-Tel.: 20 22 11 15 

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