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Olga Neuwirths „American Lulu“ in der Komischen Oper

Was passiert, wenn man sich eine Figur der Weltliteratur plötzlich dunkelhäutig vorstellt? Und wenn Frank Wedekinds übersexualisierte Kindfrau Lulu, die Alban Berg in seiner unvollendeten Oper „Lulu“ auf den Sockel der musikalischen Moderne hob, eine Afroamerikanerin ist? In ihrer Oper „American Lulu“ verschärft die Komponistin Olga Neuwirth den Konflikt zwischen den Geschlechtern durch die Rassenproblematik in den Südstaaten der USA. Vor dem Hintergrund der Bürgerrechtsbewegung in den 1950er-Jahren wird die farbige Lulu zur Edelhure, die ihren Körper gewinnbringend einsetzt, während sich ihre Exgeliebte, die Bluessängerin Eleanor, als Künstlerin emanzipiert. Neuwirth lässt in ihrer Bearbeitung Bergs Fragment wie den von ihr komponierten dritten New Yorker Akt von einem 27-köpfigen Jazz-Orchester spielen. Der russische Regisseur Kirill Serebrennikov versetzt die eklektische Blackpower-Paraphrase in ein Bühnenbild wie von Edward Hopper entworfen. Die Sänger um Marisol Montalvo in der Titelrolle sind ausgezeichnet, auch wenn die politisch-korrekt neu interpretierte Geschichte mehr theoretisch als theaterpraktisch überzeugt.

Text: Irene Bazinger
tip-Bewertung: Annehmbar

American Lulu
Komische Oper,
z.B. am 6., 17.11, 19.30 Uhr,
Karten-Tel. 47 99 74 00

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