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Oliver Sturm inszeniert in den Sophiensälen: Nico. Sphinx aus Eis

Nico. Sphinx aus EisSturm, Schnee und ein Temperatursturz um knapp zehn Grad. Grau zogen die Wolken über den Himmel von Mitte. Das Wetter meinte es gut mit den Sophiensälen. Punktgenau zur Uraufführung des Stücks „Nico. Sphinx aus Eis“ über das Leben der düsteren Underground-Ikone, kam der Wintereinbruch: Nico-Wetter zur Nico-Premiere. Gleich vier Nicos bringt Regisseur Oliver Sturm ins fahle Licht einer kahlen Bühne, um dem schillernden Leben der Warhol-Muse und Velvet-Underground-Stimme gerecht zu werden.

Fast beiläufig reiht der Text von Werner Fritsch in langen Mo­nologen die Perlen aus der kollek­tiven Erinnerung an die Sängerin Nico aneinander: Model, Warhol-Factory, Stimme von Velvet Un­der­ground, Heroinsucht, Affären mit Jim Morrison, Lou Reed und Alain Delon (der Vater ihres Kindes). Aber die Inszenierung gleitet nicht in Underground-Kitsch und falsche Heroisierungen der Drogenkaputtheiten ab. Oliver Sturm lässt Nico, geblendet von der eigenen Bedeutung und umnebelt von den Drogen, in mun­terer Selbstüberschätzung viel Quatsch erzählen: „Warum soll ich mich waschen, wenn mir die Seife unter Acid so menschlich vorkommt?“ Nico. Sphinx aus Eis

Oliver Sturm versucht die teutonischen Wurzeln des in Lübbenau als Christa Paeffgen geborenen Chelsea Girls zu ergründen (mit Irm Hermanns Stimme als Mutter) und zeigt Nico ansonsten vor allem als auf der Suche nach Männern, Drogen und Anerkennung Scheiternde: Das It-Girl des Heroin-Chics als bemitlei­dens­wer­tes Ascherl („Jeder Schuss ein Kuss“), das den Sohn unter LSD zeugt und ihn später anfixt: „Ich habe ihm die Brust gegeben, dann die Spritze.“

Die nackten Wände des entkernten Sophien-Festsaals sorgen für Factory-Feeling. Effi Rabsilber, Birgit Doll, Annika Hofestädt, Anja Plaschg teilen sich die verschiedenen Facetten der Nico-Rolle: Die junge Sängerin, die lallende Junkie-Braut, das unnahbar, sich stumm räkelnde Model, die alternde Alkoholikerin.
Sehr gelungen ist die Mitarbeit des jungen österreichischen Popwunders Anja Plaschg alias Soap & Skin. Ihr Debütalbum war nicoesk, in den Sophiensälen steuert sie grandios interpretierte Nico-Songs zu einem wunderbaren Abend bei.

Text: Björn Trautwein

Fotos: Marcus Lieberenz

Sehenswert

Nico. Sphinx aus Eis
Sophiensäle, Sophienstraße 18, Mitte, Fr 28., Sa 29.11., 20 Uhr

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