Kommentar

„On Fire“ von Peter Laudenbach

Ende Mai zeigte Constanza Macras ihr Tanzstück „On Fire“ an einem ungewöhnlichen Ort: im Theater am Kurfürstendamm

Peter Laudenbach

Das ist ein gewisser Kontrast zum nächsten Aufführungsort, an dem Macras und ihre Tänzer mit dem Stück gastierten, dem Théâtre National de Chaillot, einer der wichtigsten Bühnen für modernen Tanz in Paris. Einerseits passt der Abstecher an den Kurfürstendamm ganz gut zur Öffnung der Boulevard-Bühne, die in den letzten Monaten ihren Coolness-Faktor zum Beispiel mit Konzerten von PeterLicht oder Olli Schulz deutlich heben konnte.
Andererseits hat Macras, seit Jahren eine der aufregendsten Choreografinnen der Stadt, das Kudamm-Theater nicht ganz freiwillig für zwei Vorstellungen gemietet. Andere Bühnen wie das HAU oder die Schaubühne, die Macras’ Stücke seit vielen Jahren sehr erfolgreich zeigen, wollten oder konnten in ihren Spielplänen keine Aufführungstermine für sie freiräumen. Auch dass Thomas Ostermeier vor einigen Jahren mit Macras gemeinsam einen schön verrückten „Sommernachtstraum“ inszeniert hat, macht ihn offenbar nicht kollegialer. Nur das Gorki, im Zweifel immer zu politischer Haltung und praktischer Solidarität bereit, hat Macras’ Compagnie für zwei Vorstellungen eingeladen.
Das Desinteresse von Schaubühne und HAU mag im Einzelnen nachvollziehbare Gründe haben. Im Ergebnis ist es für die Bühnen eine Blamage – und für Macras, die immer mehr an den härteren Facetten der Gesellschaft als an cleaner Selbstvermarktung interessiert war, ein echtes Problem. Berlin wird chicer, da passt Macras’ sozial offenes Culture-Clash-Theater offenbar nicht mehr ins Bild.

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