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„Original mit Übertitel“ von Peter Laudenbach

Peter Laudenbach
Es ist eine höfliche Geste, dass das Maxim Gorki Theater, das HAU, die Schaubühne und seit Kurzem auch das Deutsche Theater ihre Vorstellungen englisch übertiteln. Das demonstriert Weltläufigkeit und erweitert die potenzielle Zielgruppe, schließlich leben in Berlin erfreulicherweise nicht nur Deutsche. Und auch Touristen sind Menschen, jedenfalls meistens.
Aber auch wer deutsch versteht, ist dankbar für die sachdienlichen englischen Hinweise. Zum Beispiel, wenn die Deutlichkeit der Aussprache zu wünschen übrig lässt und die Dialoge der Darsteller ins rhythmisierte Nuscheln, Brüllen und Keuchen übergehen, dessen Sinn höchstens vage zu ahnen ist. Dankbar nutzt man an schwächeren Abenden die Gelegenheit, seine Englisch-Kenntnisse aufzufrischen, um so der Langeweile der künstlerischen Darbietung zu entkommen. Das bietet auch unter pädagogischen Aspekten ganz neue Motivationen für den Theaterbesuch.
Puristen könnten einwenden, die Schriftbegleitung über oder neben der Bühne lenke vom Bühnengeschehen ab. Aber gelegentlich ist man natürlich heilfroh, wenn einem etwas Ablenkung vom Bühnengeschehen geboten wird. Vor allem wenn sich das Bühnengeschehen arg zäh oder zwanghaft aufgedreht dahinquält. Es kann gar nicht genug Ablenkung vom Bühnengeschehen geben!
Je weniger störendes Bühnengeschehen, desto mehr Ablenkung, desto besser!

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