Theater

Ostermeiers „Dämonen“ an der Schaubühne

DämonenKatarina (Brigitte Hobmeier) und Frank (Lars Eidinger), machen sich keine romantischen Illusionen mehr, sie fallen sich nur noch auf die Nerven. Mit Franks Worten: „Ich liebe dich sehr, aber ich mag dich nicht, ich kann dich nicht leiden.“ Thomas Ostermeier hat Lars Norйns 80er-Jahre-Beziehungs­drama „Dämonen“ ins Berlin-Mit­te-Kulturyuppie-Milieu versetzt. Als im Lauf des Abends die Situation eskaliert, stellt Frank nur bestens gelaunt fest: „Sieht so aus, als wären wir gerade mitten in unserer 14. Trennung.“ Das muss, allen uncharmanten Umgangsformen zum Trotz, wahre Liebe sein.

Das andere Paar fungiert, dem Muster von Albees „Wer hat Angst vor Virgina Woolf“ folgend, als naiv schockier­te Zuschauer der eingespielten Beziehungsmassaker. Eva Meck­bach und Tilman Strauß spielen diese Gutmenschen-Witzfiguren bis hart an die Grenze zum Chargentum.

Klug ist, wie Ostermeier das 80er-Jahre-Stück ins heutige narzisstische Berlin-Mitte-Milieu der Kulturschwadroneure versetzt hat. Hobmeier und vor allem der tolle Lars Eidinger liefern genaue Charakterstudien – und führen ihre Figuren samt ihrer Macken gleichzeitig so komisch, leicht und bösartig vor, dass die Besichtigung ihrer verkrachten Liebe hier zum großen Vergnügen wird.

Text: Peter Laudenbach
Foto
: Arno Declair

tip-Bewertung: Annehmbar

Termine: Dämonen
an der Schaubühne, z.B. Do 18.3., So 4.4. bis Di 6.4., 20 Uhr

Tickets www.tip-berlin.de/tickets

Interview mit Thomas Ostermeier über seine „Dämonen“-Inszenierung

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