Theater

Otello in der Deutschen Oper

OtelloDass erfolgreiche Film- oder Theaterregisseure nicht unbedingt gute Opernregisseure sein müssen, ist spätestens seit Doris Dörries oder Thomas Langhoffs Opernversuchen bekannt. In der Deutschen Oper durfte sich nun – wer hat noch nicht, wer will noch mal – Andreas Kriegenburg, Hausregisseur am Deutschen Theater, an Giuseppe Verdis „Otello“ ausprobieren.
Die einfältig-banalen, sinn- und zweckfreien Arrangements um einen Titelhelden, der kein Mohr und kein um soziale Anerkennung kämpfender Schwarzer ist, sondern ein wind- und wettergegerbter Admiral mit Lockenpracht, wirken wie aus der Mottenkiste der Operngeschichte. Mal zieht Otello – Achtung, Regieeinfall! – seinen Uniformmantel an, dann wieder aus. Desdemona ist ein graues Mäuschen, Jago ein schablonenhafter Bösewicht.
Der Chor lagert in Humana-Klamotten in einer bühnenhohen schäbigen Legebatterie. Warum diese breite Masse im Wohnsilo oder Flüchtlingslager wohl die braunen Vorhänge vor ihre Kabuffs zieht, als die Oberschicht zu zanken beginnt?
Immerhin singt der weitgehend zur szenischen Untätigkeit verdammte Chor ausgezeichnet, und das von Patrick Summers dirigierte Orchester zeigt sich in blendender Verfassung.
So unerheblich die Inszenierung, so großartig ist das musikalische Niveau dieser Aufführung – zumal dank der grandiosen Solisten Anja Harteros (Desdemona), Josи Cura (Otello) und Zeljko Lucic (Jago). Wieder einmal heißt die Devise leider: Augen zu, Ohren auf.

 

Text: Irene Bazinger

Foto: Barbara Aumüller

tip- Bewertung: Ärgerlich

 

Otello Deutsche Oper, 24., 27.6., 19.30 Uhr

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