Theater

„Pagagnini“ im TIPI

Pagagnini_c_JulioMoyaDer kräftige, manchmal aufbrausende Gart­xot Ortiz sitzt am Cello. Dazwischen arrangieren sich Bratscher und zweiter Geiger als ewig Unterschätzte. Das psychologische Kräftemessen in der Kleinhierarchie inszeniert das Quartett bei seinem Berlin-Debüt als Mischform aus Konzert und Bewegungs-Clownerie. Zwischen berühmten Tönen von Boccherini bis Bizet flechten die Musiker Bluegrass-Country, Mississippi-Blues oder sketchartige Szenen ein. Etwa wenn Malikian, der sonst im Orchestergraben der Madrider Oper spielt, zwischendurch telefoniert. Feiner wird es immer, wenn die Komik aus der Musik erwächst. Im Verlauf des berühmten Kanons von Pachelbel etwa spielt sich ein grandioses Gefühlstheater ab, das sich taktweise steigert: von gepflegter Langeweile des Cellisten bis zur Bewegungs-Ekstase, die den Bratscher erfasst. Die Sache endet im Hoppsa-Lauf. Was bei den spanischen Profis immer noch blitzsauber klingt. Einen Klassiker darf man nicht vergeigen.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Julio Moya

tip-Bewertung: Annehmbar

Pagagnini TIPI am Kanzleramt, bis 1.7. (außer 26.6.), Di–Sa 20 Uhr, So 19 Uhr; Karten-Tel. 93 06 65 65

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