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„Parsifal“ an der Staatsoper im Schiller Theater

Daniel Barenboims dritter szenischer „Parsifal“ in Berlin (seit 1992) ist sein inspiriertester nicht. Rumpelig raunend und routiniert teilen sich die knapp sechs Stunden der Aufführung erbarmungslos den Sitzmuskeln mit. Regisseur Dmitri Tcherniakov, dem zuvor eine ingeniöse „Zarenbraut“ gelang, nähert sich Wagner mit größter Umsicht. Hat er Angst vor dem Stück?
Der Tor Parsifal, in Tcherniakovs Deutung ein Rucksacktourist in kurzen Hosen, bricht in die Welt der Grals­gesellschaft ein wie ein Moutainbiker in den Nationalpark. Die Gralsmannen: ein ungewaschener Pudelmützenverein von Hoffnungslosen. Oberlehrer Klingsor (Tуmas Tуmasson) hat in seinem Blumengarten ein Mädchenpensionat aufgemacht. Seilspringend gibt hier ein Geschwader Glockenröcke ein recht harmloses Bild der Höllen-Verführerinnen, die sich Wagner vorgestellt hatte. Das ramponierte Neun­eck, in dem der Heilige Gral enthüllt wird, riecht derb nach Kulisse. Anja Kampe, in der Premiere indisponiert, singt die Kundry beinahe mit Mahler-Stimme, womit ihr einige der berührendsten Momente glücken. Andreas Schager (Parsifal) fuchtelt bedrohlich mit dem Metallstäbchen seines Tenors herum.
Immerhin bietet man mit Renй Pape den weltbesten Sänger des Gurnemanz auf. In zehn Jahren hat sich Pape den Grals­erzähler so eloquent anverwandelt, dass er – neben dem soliden Amfortas von Wolfgang Koch – zum Ereignis der Aufführung wird. Klaräugig sonorisierend und tief in sich grabend. Er ist wunderbar.    

Text:
Kai Luehrs-Kaiser

Foto: Ruth Walz

Staatsoper im Schiller Theater  So 12.+Sa 18.4., 16 Uhr, Karten-Tel. 20 35 45 55

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