Theater

„Pate 1-3“ im HAU 2

derpateFar A Day Cage aus Zürich erfreuen mit ziemlich lässigen Produktionen: Gut gelaunte Spielfreude, Spaß an der Party, intelligente Versuchs­anordnungen und das völlig berechtigte Vertrauen darauf, dass gutes Theater prinzipiell alles kann. Jetzt kommen die Schweizer gleich mit zwei Produktionen ins HAU 2. „Pate 1–3“, ihre so respektlose wie absolut liebevolle Theateradaption von Coppolas Mafia-Trilogie, ist zuerst einmal ein großer Spaß für Coppola-Kenner, die die Dialoge auswendig mitsprechen können. Man könnte sagen, die Inszenierung macht „Godfather“-Freunden ein Angebot, das sie nicht ausschlagen können. Vier Hauptdarsteller in sehr vielen Rollen sind mal gekonnt Wieder­gänger von Filmfiguren, mal kommentieren sie die Handlung launig, streiten sich über die Interpretation oder fassen nonchalant ganze ­Erzählstränge kurz zusammen. Spätestens wenn in der zweiten Hälfte alle, Theater-Mafiosi und Zuschauer, an einer großen Festtafel sitzen und gemeinsam Spaghetti essen, ist klar: Es bleibt in der Familie.

Auch beim zweiten HAU-Gastspiel „MyState“ führt Tomas Schweigen Regie. Es geht um nicht weniger als eine kleine Staatsgründung. Die Versuchsanordnung: Was geschieht, wenn sich eine kleine Gruppe für autonom erklärt und im Vorgarten einen Privatstaat mit eigenen Gesetzen errichtet. Der Traum frustrierter Wutbürger, die entweder zu viel oder zu wenig Hobbes gelesen haben, klingt nach einer hübschen Utopie. Und wird, logisch, relativ schnell zur Zumutung. „Die Ästhetik der Inszenierung erinnert an ein Bilderbuch, in dem mit jeder neuen Seite die Welt sich verdoppelt und komplexer wird“, berichtet ein Schweizer Rezensent. Was bei „MyState“ als lustig-naiver Aufbruch in die selbstbestimmte Parzelle beginnt, produziert schnell harte Ausgrenzungsmanöver. Spätestens wenn der Gartenzaun zur Staatsgrenze erklärt wird, an der man panisch nach bedrohlichen Fremden Ausschau hält, wird die Utopie vom eigenen Privatstaat zur reaktionären Spießer-Machtfantasie. So ist diese Gartenzaunpolitik ein schöner Kommentar zu den ewigen Schweizer Volksabstimmungen über die Ausweisung von Ausländern und ­Blochers offen rassistische Schweizer Volkspartei.

Text: Peter Laudenbach

Foto: Jon Etter

Pate 1–3
HAU 2, 17.–20.3., 19.30 Uhr

Mystate
23.–25.3., HAU 2, 20.00 Uhr

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