Theater

„Peer Gynt“ an der Deutschen Oper

PeerGyntHeinz Spoerli hat seine „Peer Gynt“-Choreografie, 2007 uraufgeführt in Zürich, mit dem Staatsballett neu einstudiert. Und das an der Deutschen Oper zu sehen, ist eine Freude. Bei Spoerli ist Peer Gynt wie in Ibensens dramatischen Gedicht  ein tolldreister Weltenbummler und Fantast, der sich Reichtum und Kaiserkrone erträumt, ein Frauenheld und ein faustischer Sinnsucher, der in der Irrenanstalt landet. Aber im Kern erzählt Spoerli die Geschichte eines Mannes, der seine wahre Liebe übersieht und der sein wahres Selbst nicht kennt. Griegs Peer-Gynt-Suiten passen zu diesem Ansatz. Zusätzlich verwendet Spoerli wild zerklüftete Musik von Brett Dean und Mark-Anthony Turnage. Diese Zeitgenossen setzt der Choreograf immer dann ein, wenn Peer Gynt sich im Wahn verliert oder der Selbsterkenntnis nähert – mitunter scheint bei Spoerli beides dasselbe zu sein. Das Orchester der Deutschen Oper Berlin kann unter der Leitung von Robert Reimer glänzen.

Diesen Musikwelten setzt Spoerli karge, symbolhafte Bildwelten entgegen. Vladimir Mala­khov tanzt Peer, und die spannende Frage vorab war, ob Malakhov die große Rolle würde meistern können. Immerhin wird er im Januar 44 Jahre alt und hat vor Kurzem zum ersten Mal öffentlich über einen Abschied von der Bühne nachgedacht. Nun, Vladimir Malakhov scheitert nicht. Körperlich ist er trotz der vielen Knieverletzungen und der Gewichtszunahme wegen Nikotin-Verzichts noch immer in der Lage, eine große Solo-Partie durchzustehen. Schauspielerisch gelangt er allerdings an seine Grenzen. Immerhin zeigt Malakhov angenehmerweise hier nichts von seinem Manierismus. Der wahre Star des Abends ist jedoch Nadja Saidakova als Solveig, hinreißend kindlich als junges Mädchen und ergreifend zerbrechlich als alte Frau. Heinz Spoerlis „Peer Gynt“ ist ein großer Ballettabend. Man folgt ihm staunend, irritiert und beglückt, wie er die seelischen Abgründe seiner Helden Peer Gynt und Solveig erkundet.

Text: Frank Schmid

Foto: Bettina Stoess

tip-Bewertung: Sehenswert

Peer Gynt
an der Deutschen Oper
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Karten-Tel. 206 09 26 30

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