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„Pellйas und Mйlisande“ in der Volksbühne

Zu „Pellйas und Mйlisande“ statt der Impressionismen Claude Debussys schroffe ­Beethoven-Sonaten anzuspielen (natürlich nur, um auch sie gleich wieder auseinanderzunehmen), ist schon mal sehr gut. David ­Marton inszeniert an der Volksbühne nicht Debussys Oper von 1902, sondern Maurice Maeterlincks Stück von 1892. Aber er inszeniert es wie um spöttisch vorzuführen, dass diese Kunstmärchen-Traumgespinste Quatsch sind. Aber weil er daraus mehr oder weniger sinnfreies Spiel, also Theater macht, ist es eine melancholische Ironisierung aus dem Geiste Maeterlincks. Aus König Arkel ist ein gemütlich dröhnender Gossen-Philosoph geworden (der bewährte Volksbühnen-Veteran Hendrik Arnst), der, wenn er nicht grade ­Mйlisande anschmachtet, in Anfällen von Tiefsinn (oder Restalkohol) sinnfreie Sinnsprüche von sich gibt: „Warum das Leben? Weil es nichts anderes gibt.“ Aha.
Bei Arkels Enkel, Prinz Pelleбs (Thorbjörn Björnsson), handelt es sich um einen sympathisch verstrahlten Hipster-Tunichtgut, während es sein Bruder Golaud (Jan Czajkowski) zum Pianisten gebracht hat, der den ganzen Abend am Flügel sitzen darf. Die geheimnisvolle Mйlisande ist bei Lilith Stangenberg bestens aufgehoben, eine Prinzessin aus der Unterwelt, die sich mit Geneviиve (Marie ­Goyette) aparte Gesangsdialoge liefert und aufs Schönste entrückt durch ihr Leben zu schweben scheint. Statt der Märchenwelt von Schloss und Wald und See rollt mal ein Volksbühnen-Wohncontainer im Bert-Neumann-Stil auf die Bühne, mal flackern am Horizont scharf ausgeschnittene Kulissen-Gebirgs­züge, während ein ausgestopfter Hirsch dem Geschehen teilnahmslos beiwohnt.   

Text: Peter Laudenbach

Foto: Christian Friedländer

Pellйas und Mйlisande
in der Volksbühne, Do 29.1., So 1.2., 19.30 Uhr, ?Karten-Tel. 240 65 777

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