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Kultur

Peter Laudenbach kommentiert

Peter Laudenbach

Die Politikerwerdung des Tim Renner schreitet voran. Die Kunst des Phrasenleerlaufs beherrscht er schon bestens, wie er neulich in einem Interview mit der „Berliner Zeitung“ vorführen durfte. Ganz wichtig für die Berliner Kultur ist für Renner natürlich die „Unique Selling Proposition“, nämlich: „Freiheit und Diversität“. Warum nicht auch Nachhaltigkeit, wenn wir schon bei bedeutungsfreien Trend-Vokabeln sind.
Hübsch ist Renners Wunsch, die berühmten Grenzen zwischen E und U, also ernster und unterhaltender Kunst, sollten „durchlässiger“ werden. Das ist mal eine total überraschende Idee. Möglicherweise ist dem Kulturstaatssekretär entgangen, dass Barrie Koskys „Ball im Savoy“ an der Komischen Oper und Herbert Fritschs Dada-Shows in der Volksbühne ziemlich komisch sind, dass Kurt Krömer an der Schaubühne und Rainald Grebe am Gorki Theater aufgetreten sind und dass sich die Geschwister Pfister an der Komischen Oper so wohlfühlen wie in der Bar jeder Vernunft. Die Grenzen, die Renner „durchlässiger“ machen will, existieren möglicherweise vor allem in seinen eigenen Klischee-Vorstellungen.
Ebenso heiter sind Tim Renners Ideen zur Volksbühne, der er vorschlägt, „niedrigschwellig“ zu werden und „Anreize“ dafür zu schaffen, „sich auch mit Bereichen der Kultur zu befassen, die einem eher nicht so vertraut sind“. Lustig.
Bei „Bereichen der Kultur“, die ihm „eher nicht so vertraut sind“, hat der Mann offenkundig eine Menge Nachholbedarf

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