• Kultur
  • Peter Laudenbach kommentiert

Kultur

Peter Laudenbach kommentiert

Peter Laudenbach

Der Regisseur Burkhard C. Kosmins­ki, Intendant des Theaters Mannheim, hat eine lustige Idee. Er schlägt  vor, die Milliarden des Solidaritätszuschlags künftig „für Kultur und Bildung zu verwenden“. Schöne Sache: vom Aufbau Ost zum Aufbau Stadttheater. Was sind schon der Kollaps der alten DDR-Wirtschaft und ein paar Millionen Arbeitslose verglichen mit den Sorgen und Begehrlichkeiten eines Intendanten aus der süddeutschen Provinz. Nach Schkopau, Bitterfeld und Rostock sind jetzt die Freunde der Gegenwartsdramatik dran! Die blühenden Theaterlandschaften müssen Staatsziel werden!
Kosminski spricht von Solidarität, meint aber die egoistischen Partikularinteressen seiner Subventionsbranche.  Die Schuldenbremse, fürchtet der Lobby­­-Lautsprecher, könnte spätestens 2020 „für die Kultur einen radikalen Kahlschlag bedeuten“. Nicht nur für die Kultur, nebenbei gesagt. Sondern, falls das Steueraufkommen nicht steigt (was es derzeit tut), für viele öffentliche Ausgaben. Aber das interessiert Kosminski offenbar nicht weiter.
Es stimmt, viele Theaterschauspieler verdienen kümmerliche Gagen, viele kleine und mittelgroße Bühnen stehen unter starken Spar­zwängen und erhöhtem Legitimationsdruck. Aber unter Sparzwang stehen in der Regel auch die Kommunen, die sie finanzieren. Wenn Kosminski klagt, die Situation vieler Theater sei „lebensbedrohlich“, bedient er nur das theaterbetriebsübliche Hysterie-Tremolo und verwechselt gekürzte Budgets mit Lebensgefahr. Geht’s nicht eine Nummer kleiner?

Mehr über Cookies erfahren