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Peter Laudenbach liest Peter Handke

Peter Laudenbach liest Peter Handke

In einem Gedicht von Hans Magnus Enzensberger verschwindet der „fliegende Robert“ in den Wolken. Realitätstüchtige Leute, die nicht so gut fliegen können, werfen ihm prompt „Eskapismus“ vor. Seine Antwort ist entspannt: „Was denn sonst, antworte ich, bei diesem Sauwetter!
Etwas von diesen Freuden des Eskapismus schenken dem Leser Peter Handkes Bücher und sein gelassen genauer Blick, ein Autor, der der Sprache als einer eigenen Wirklichkeit vertraut. Thomas Oberender, der Intendant der Berliner Festspiele, hat den Dichter in vier langen Gesprächen über seine „50 Jahre Schreiben fürs Theater“ befragt. Und dank Oberenders offenbar unerschöpflichem Interesse entsteht in den Gesprächen ein so hellwaches wie entspanntes Selbstporträt des Dichters als Theaterautor, der zum Theater (wie zur Wirklichkeit) ein etwas skeptisches Verhältnis unterhält. Hübsch sind die kleinen Seiten­­hiebe, zum Beispiel gegen Schreibschulen („Die gehören ?ja ausgeschwefelt alle!“), den Filmregisseur Haneke („ein Naturalist … für mich ist das ein Ideologe, ein Denunziant“) oder, sehr liebevoll, über Claus Peymann: „Er könnte halbwegs auch ein Fußballtrainer sein, nicht gerade für Real Madrid, aber doch für Arminia Bielefeld.“ Schönes Buch.

Nebeneingang oder Haupteingang? von Peter Handke, Thomas Oberender, Suhrkamp Verlag 199 Seiten, 20 Euro

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