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Peter Laudenbach über das Krisengebiet Stadttheater

Peter Laudenbach über das Krisengebiet Stadttheater

Noch drei Wochen bis Spielzeitbeginn. Blättert man in den Vorschauen der Bühnen, stellt sich ein Gefühl ­tiefer Sinnlosigkeit ein. An der Volks­bühne bezweifelt Renй Pollesch zur Saisoneröffnung („House for Sale“) mal wieder, dass es die Liebe gibt: „Die Liebe soll man plötzlich glauben? Nein! Man ist nur durch Distanz in der Welt. Das ist Materialismus.“ Die einen nennen es Materialismus, die anderen Diskursgeblubber. Am Deutschen Theater wird Sinnlosigkeit auf höherem Niveau untersucht: Zum Spielzeit­beginn gibt es Becketts „Warten auf Godot“, ein Stück, in dem bekanntlich nicht viel, um nicht zu sagen gar nichts, passiert. „Angst her oder es knallt“, fordert das Spielzeitheft des Deutschen Theaters denn auch energisch. Gute Laune ist auch am Maxim Gorki ­Theater nicht zu befürchten. Sebastian Nübling widmet sich in „Fallen“ liebevoll „Formen von Gewalt im öffent­lichen Raum“, Yael Ronen interessiert sich für „Erotic Crisis“ und stellt sich den letzten großen Fragen der Mensch­heit von Berlin-Mitte: „Haben eigentlich alle aufregenden Sex, nur ich nicht?“ Am Berliner Ensemble dürfte diese Frage schon aus Altersgründen in der Intendanz keine große Rolle mehr spielen, stattdessen wird mal wieder das gute alte soziale Elend auf die Bühne gebracht, wenn Leander Haußmann „Woyzeck“ serviert. An der Schaubühne weiß man sowieso, ­dass die Welt böse ist. Die Hightech-Virtuo­sin Katie Mitchell wird das glanzvoll ­illustrieren: Sie verspricht, dass ihr neues Stück „einen so noch nicht da gewesenen Blick auf die großen Katastrophen des 20. Jahrhunderts“ wirft. Schlechter Sex, Armut, Gewalt und Katastrophen – willkommen im Krisengebiet Stadttheater.

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