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Peter Laudenbach über das Sommerloch

Peter Laudenbach

Ohne Musik wäre das Leben bekanntlich ein Irrtum. Was der größere Irrtum ist, ein Leben ohne oder ein Leben mit Theater, ist dagegen eine sehr offene Frage. Einerseits: schöne Sache, das Theater. Auch sind bekanntlich Menschen, die berufsbedingt viel ins Theater gehen, zum Beispiel Theaterkritiker, natürlich stets gut gelaunt, großzügig, frei von Konkurrenz-Neurosen und Rechthaberei-Dachschäden – und auch sonst rundum ausge­glichen, unverschämt gut bezahlt und glücklich mit ihrem Leben. Und alles nur wegen des Theaters! Andererseits ist das Schönste am Theater oft (wenn wir ehrlich sind: sogar sehr oft) der Augenblick, an dem es vorbei ist. Und das Schönste an der Spielzeit ist vermutlich der Tag nach der letzten Vorstellung: endlich Ende, endlich frei!
Vermisst jemand beim Anblick des Mittelmeers sozialkritische Hartz-IV-Stücke und die Blüte der deutschen Gegenwartsdramatik, sagen wir am Deutschen Theater? Denkt jemand voll Sehn­sucht an Gorki-Postmigranten oder HAU-Diskurs-Performer, während er in Madeira wandert? Gibt es Menschen, die das Heimweh nach Schaubühnen-Stücken über die guten alten bürgerlichen Lebenslügen quält, wenn sie mit der Liebsten in der Bretagne Austern schlürfen, in Patagonien auf den Atlantik schauen oder in Cinque Terre glücklich sind? Und falls es solche Menschen gibt – was ist in ihrem Leben schiefgegangen?

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