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Peter Laudenbach über Mindestlohn ?im Theater

Peter Laudenbach

Theaterleute fühlen sich gerne für Moral und Solidarität zuständig. Wenn es darum geht, für den eigenen Ruhm Missstände aller Art anzuprangern, sind sie jederzeit gerne dabei. Im wirklichen Theaterleben nehmen sie es mit der Solidarität und dem fairen Umgang mit Schwächeren nicht so genau. Wie die Spargelbauern, die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeber-Verbände und die letzten frei laufenden Hardcore-Neoliberalen verlangt jetzt auch der Deutsche Bühnenverein Änderungen beim gesetzlichen Mindestlohn: Der Bundesrat soll dem „Gesetz über Mindestlohn nicht ohne Weiteres zustimmen“, fordert der Bühnenverein. Er findet eine „Sonderregelung für Praktika an Theatern wünschenswert.“ Apart ist die Argumentation: „In den Theatern und Orchestern gibt es zahlreiche, zeitlich längere Praktika, die oft erst nach Abschluss der Ausbildung stattfinden. Das gilt sowohl für Musiker als auch für zahlreiche ­Theaterberufe wie etwa Regie­­­­assistenten, Inspizienten und Requisiteure.“ Voll ausgebildete, für den Betrieb notwendige Mitarbeiter für weniger als 8,50 Euro die Stunde – schöne Sache. Dass in der Freien Szene selbst Schauspieler nicht immer auf den gesetzlichen Mindestlohn kommen, weiß der Bühnenverein. Es scheint ihn nicht weiter zu stören. „Die freien Theater werden aus Sicht des Bühnenvereins immer mehr gezwungen, nach Wegen zu suchen, den Abschluss von Arbeitsverträgen zu umgehen„, konstatiert er sachlich.

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