Theater

„Peter Pan“ am Berliner Ensemble

PeterPan_c_LucieJanschRobert Wilson, der alte Bildertheater-Alien, serviert am BE James Matthew Barries Kinderbuch „Peter Pan“. Ein von Feen, Indianern, Piraten und einem singenden Krokodil bevölkertes Märchenreich, drei sprechende Neufundländer als Nannys („Wuff! Wuff! Wuff!“), Kinder, die der steifen viktorianischen Welt ihrer Eltern den Traum vom Leben als ewiges Spiel vorziehen – das passt zu Wilson, der als Kind Autist war und seit Jahrzehnten mit seinem unterkühlt stilisierten Theater sein eigenes Neverland-Paralleluniversum auf den Bühnen der Welt errichtet. Die Freak-Folk-Schwestern CocoRosie steuern den Soundtrack zum Musical bei – leider über weite Strecken nur ein scheppernder Vaudeville-Klangteppich mit etwas penetrantem Tröten und Sound-Scherzartikeln wie aus alten Zeichentrickfilmen.

Auch sonst sorgt die Show zunehmend für quälende Müdigkeit angesichts der zäh abgespulten Nummern-Revue, die bedauerlicherweise ohne das Tempo, den Glamour und den Schuss überdrehten Irrsinns einer gelungenen Revue auskommen muss. Sabin Tambrea ist als Peter Pan in Lederjäckchen und mit Flitter im Haar zwar lustig androgyn, aber auch etwas blass. Christopher Nell als schrullige Fee Tinkerbell gibt immerhin gekonnt den verdrehten Exzentriker. Die Gruppenchoreografien der „Lost Boys“ in Neverland gleichen einem formlos fröhlichen Gehüpfe aufgekratzter Schulkinder. Die ewigen Stilmittel der Wilson-Factory – die weiß geschminkten Gesichter, die Schattenrisse, die manieriert gespreizten Finger, das mal grimassierende, mal schockgefroren erstarrte Spiel, die Stummfilmästhetik – wirken nur noch wie kraftlos leerlaufende Zitate der Wilson-Formsprache. Schade.     

Text: Peter Laudenbach

Foto:Lucie Jansch

tip-Bewertung: Uninteressant

Peter Pan Berliner Ensemble, Karten-Tel. 28 40 81 55

 

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