Kommentar

„Peymann hatte recht“ von Peter Laudenbach

Die merkwürdigste, anrührendste, skurrilste Performance des Theatertreffens stand nicht auf dem Spielplan und war doch regelmäßig bei den Gastspiel-Premieren zu bewundern

Peter Laudenbach

Vor dem Theater saß, wie ein steinerner Gast, ein älterer Herr in Schwarz, vor sich ein Tischlein mit dicken Büchern, die Interessierte gerne kauften. Die dicken Bücher, zusammen 1270 Seiten, viereinhalb Kilo Ruhm, dokumentieren das Lebenswerk des melancholischen Alten, zumindest dessen vorerst letzte Station, 18 Jahre am Berliner Ensemble. Der Man in black ist kein geringerer als Claus Peymann. Der große Mann hadert mit seinem Schicksal, mit seinem Nachfolger und mit Politikern, die es wagten, seinen Vertrag nicht zu verlängern. Da trifft es sich gut, sich an ein paar Sätze zu erinnern, die ein entschlossener junger Theatermann in der Blüte seiner Jahre vor fast vier Jahrzehnten, im März 1979, der Zeitschrift „Theater heute“ sagte: „Diesen auf ewig eingestellten Intendantenbeamten, den es jetzt da und dort gibt, also mit zehnjährigen und längeren Verträgen, finde ich Quatsch. Dadurch wird ein ganz wesentlicher Teil der Lebendigkeit des Theaters eliminiert. Ich glaube, dass sich nach sieben, acht Jahren Beziehungen von Schauspielern oder Regisseuren zu einer Stadt erschöpfen, und umgekehrt. Und da bin ich dafür, dass die Stadt mal neue Gesichter sieht.“ Recht hatte er, der junge Claus Peymann, übrigens auch, was den Kollegen in unmittelbarer BE-Nachbarschaft betrifft.

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