Theater

Philipp Löhle über „Die Überflüssigen“

Die_ueberfluessigentip Wenn man wie Sie in Ravensburg geboren und in Baden-Baden aufgewachsen ist, ist man dann prädestiniert dafür, ein Stück über die Provinz zu schreiben?
Philipp Löhle Zumindest ist die Enge der Leute ähnlich. Provinz ist eben immer Provinz. Aber im reichen Baden-Baden ist die Brust natürlich breiter als in Wittenberge.

tip Die Theaterstücke, die das Gorki-Theater in der Reihe „Über Leben im Umbruch“ zeigt, basieren alle auf einem wissenschaftlichen Feldversuch: Über drei Jahre haben Soziologen und Ethnologen in Wittenberge geforscht. Wie macht man daraus ein Stück?
Löhle Mich haben vor allem die Interviews mit Anwohnern interessiert. Da gab es Gespräche mit einer alleinerziehenden Mutter, einer Süchtigen von den Anonymen Alkoholikern oder dem Vorsitzenden eines Countryvereins. Nur kann man das natürlich nicht 1:1 umsetzen, nach dem Motto: Aus der Person mache ich eine Rolle. Ich habe eher nach der Stimmung und Atmosphäre gesucht.

tip Sie haben sich aber nicht nur auf die Interviews verlassen?
Löhle Nein. Ich bin zusammen mit Dominic Friedel, dem Regisseur der Inszenierung, hingefahren, wir sind mit dem Fahrrad zwei Tage lang den Elbe-Radweg hoch. In Wittenberge sind wir einfach überall rumgelaufen. Im Veritas-Werk haben wir eine Führung gemacht und abends haben wir uns im Kino „Ice Age 3“ angeschaut. Wir haben viel fotografiert und versucht, einen Eindruck von der Stadt zu bekommen und zu verstehen, wie sich die Menschen dort fühlen.

tip Und?
Löhle Man versteht das Problem der Leute am Anfang gar nicht so, weil man nicht auf verlassene Straßenzüge trifft, sondern eine belebte Stadt vorfindet. Die Tristesse kommt eher aus einem „Früher-Mythos“, dem man überall begegnet. Vor der Wende war man größer, und dann kam der Mauerfall und alles brach ausein-ander.     

Interview: Björn Trautwein
Foto: Thomas Aurin


Termine: Die Überflüssigen

im Maxim Gorki Studio

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