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Philipp Stölzls „Parsifal“ an der Deutschen Oper

Parsifal_c_MatthiasBausEigentlich eine nette Idee, „Parsifal“ mal wieder zwischen Felsen-Ungetümen, mit Kettenhauben, Brokatumhängen und mit einer kleinen Sand-Ritterburg zu spielen. Philipp Stölzl illustriert und illusioniert, dass die Schwarte kracht. So als ob seine Aufführung von 1912 stamme.
Wie immer geht er vor allem von einer Bildidee aus. In diesem Fall: Golgatha, die Hinrichtungsstätte von Jesus von Nazareth. Der Kalvarienberg fungiert als Grund-Bühnenbild. Während der Ouvertüre wird die Kreuzigung gezeigt samt Speer und Blutgefäß (welche dabei ihre Urbedeutung als Grals-Gegenstände erhalten). Der Rest dieses „Parsifal“ wird als Osterspiel hinterher geliefert. Weshalb Amfortas als Wiedergänger Christi am Schluss sterben muss.

Nun, diese Deutung ist leider Gottes nicht nur falsch, sondern auch kitschig. Hält man „Parsifal“ nicht für ein christliches Stück, so funktioniert Stölzls Inszenierung nicht, weil die Erlösung fehlt. Betrachtet man „Parsifal“ dagegen als Wagners Rückkehr zum Christentum (so wie dies Nietzsche tat), dann funktioniert sie auch nicht, weil es dann zu frevelhaft ausgeht. Die outrierte Personenregie der gerungenen Hände und des knieenden Büßertums grenzt an ein Debakel. Die handwerkliche Umsetzung der Dekorationen ist peinlich.
Evelyn Herlitzius als „Ninja Turtle“-Kundry singt mit gegerbter, registerbrüchiger Stimme. Thomas Johannes Mayer ist ein blökender, überanstrengter Amfortas. Nichts gegen Thomas Jesatko, hier als siebenschwänziger Schamane Klingsor. Aber diese Rolle ist halt immer gut. Klaus Florian Vogt – der neue Star am Helden-Himmel und eine Art Florian Silbereisen unter den Wagner-Sängern – singt die Titelrolle mit blondem Knabentenor. Donald Runnicles dirigiert knatternd unmagisch, weil er zu fest zupackt. Da der Chor des Hauses fantastisch ist, zieht man trotzdem nicht ganz unzufrieden von dannen. Selbst bei einem so späten, unausgebrüteten Osterei wie diesem.    

Text: Kai Luehrs-Kaiser
Foto: Matthias Baus
tip-Bewertung: Zwiespältig

Parsifal: Termine
in der Deutschen Oper,
Karten-Tel. 34 38 43 43

INTERVIEW MIT PHILIPP STÖLZL

 

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