Theater

„Piano Battle“ mit Andreas Kern und Paul Cibis

PianobattleSie liefern sich bei Ihrem „Piano Battle“ einen musikalischen Zweikampf am Flügel mit Ihrem Duell-Gegner Paul Cibis. Wie muss man sich diese Schlacht am Piano vorstellen?
ANDREAS KERN Eigentlich haben mich die klassischen Musikwettbewerbe nie besonders interessiert. In diesem Fall vergleicht nicht eine Fachjury, sondern das Publikum zwei klassische Pianisten. Es ist ein Wettbewerb mit leichtem Augenzwinkern. Wir sind als Pianisten und Charaktere unterschiedlich, er ist eher der Brave und Konservative …

Sie sprechen nicht sehr charmant über Ihren Bühnenpartner.
Der Battle hat schon begonnen (lacht). Wir haben das schon einige Male bei Konzerten in Asien gemacht, aber das Konzert in den Sophiensaelen ist eine Premiere, eine durchinszenierte Show, samt einem Piano-Rundlauf, bei dem wir wie beim Tischtennis um die Flügel rennen. Auch unter den Flügeln wird einiges passieren.

Piano-battleSie haben Ihr Battle-Format globalisiert. Wie waren die Konzerte in China?
Klassische europäische Musik kommt in Asien sehr gut an. Gleichzeitig kämpfen die Chinesen, genau wie wir hier auch, darum, ihre klassische Musik lebendig zu halten. Da ist durch die Kulturrevolution viel zerstört worden. Durch einen chinesischen Klassik-Star wie Lang Lang hat klassische europäische Musik noch einmal einen enormen Popularitätsschub bekommen. Ich glaube, 40 Millionen Chinesen nehmen Klavierunterricht. Außerdem lieben Chinesen offenbar das Spielerische an unseren Piano-Battles. Die ticken teilweise bei den Konzerten richtig aus und winken mit Leuchtstäben wie bei einem Popkonzert. Das waren Konzerte vor 1?500 Leuten. In Deutschland führen wir lange Gespräche für ein paar Auftritte in Süddeutschland. In der gleichen Zeit haben wir Auftritte in großen Konzerthallen von Taiwan bis Hongkong und Singapur.
Reagiert das Publikum in Asien unbefangener auf Ihre Kombination von klassischer Musik und Entertainment als hier?
Es gibt dort nicht die fest gefügte Tradition, wie man mit einem klassischen Konzert umzugehen und wie das auszusehen hat, vielleicht sind sie deshalb offener. Klar, das „Piano Battle“ ist Entertainment. Aber wenn wir Chopin, Scriabin, Liszt spielen, sind wir puristisch und konzen­triert, dann gibt es nichts anderes, die Musik steht für sich. Aber bei der Form der Präsentation nehmen wir uns Freiheiten, bei der Einbettung der Musik, das braucht ja keinen steifen, feierlichen Rahmen. Ein anderes Format ist die „Art Lounge“, die wir für den Sender Arte regelmäßig in der Kulturbrauerei aufzeichnen, ein Fernseh- und Konzert-Format, bei dem wir Klassik und Pop verbinden. Die Frage als Musiker ist ja, will man nur ein Publikum von Kennern oder auch ein neues, neugieriges Publikum, das vielleicht zum ersten Mal in ein Konzert mit klassischer Musik geht. Ich finde eine Mischung aus beidem ganz angenehm.

Wie kamen Sie eigentlich auf die Idee, mit dem Format des „Piano Battles“ ein klassisches Konzert als musikalisches Duell aufzuführen?
Zu einem Festival in Hongkong 2008 wurden Paul Cibis und ich unabhängig voneinander eingeladen, aber dann gab es nur einen Konzertsaal und ein Zeitfenster für uns beide. Aus Spaß haben wir gesagt, dann können wir uns ja streiten, wer von uns auftreten darf. So kamen wir dann auf die Idee, uns nicht vor dem Konzert, sondern im Konzert auf der Bühne zu streiten.     

Interview: Peter Laudenbach
Fotos: Mathias Bothor

Piano Battle: Andreas Kern vs. Paul Cibis
Sophiensaele,
Do 9.+Sa 11.8.,
Karten-Tel. 283 52 66

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