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Tanz

Pina Bauschs „Palermo Palermo“ kommt nach Berlin

Das durch Pina Bausch weltberühmt gewordene Wuppertaler Tanztheater gastiert nach sieben Jahren wieder in Berlin!

Foto: Oliver Look

Das Ensemble zeigt Bauschs Meisterwerk „Palermo Palermo“. Vor knapp 30 Jahren, am 17. Dezember 1989, feierte das Stück in Wuppertal Premiere: Gleich zu Beginn stürzt mit lautem Krach eine meterhohe, dicke Steinmauer direkt vor dem Publikum ein. Kaum verwunderlich, dass damals die Assoziation mit dem Mauerfall wenige Wochen zuvor für viele evident war.

Doch tatsächlich geht das Bühnenbild des Stücks, das Pina Bausch mit ihrem Tanztheater im Rahmen einer Koproduktion mit dem Teatro Biondo Stabile auf Sizilien entwickelte und erprobte, wohl auf das Beobachten der Menschen in Palermo zurück. Die liefen nämlich damals täglich mit einer faszinierenden Selbstverständlichkeit über viele Steine und Bruchstücke von Mauern, die lose am Straßenrand lagen. Die denkbare politische Sprengkraft, die der Sturz einer Mauer auf der Bühne demonstrieren kann, trägt das Stück aber trotzdem. Und so tanzt sich das Ensemble­ barfüßig oder in Pumps auf der Bühne den Weg frei durch die staubigen Steine.
Wie in fast allen Bühnenwerken von Pina Bausch, die bis zu ihrem Tod 2009 insgesamt 46 Stücke kreierte, sind es vor allem die Unmengen an aufgehäuften Materialien aus Natur­elementen oder Gegenständen, mit denen die Bühne zum Teil vollkommen überdeckt wird und somit ein normales Tanzen oder Bewegen erschwert: knöcheltiefes Wasser und ein lebensgroßes Krokodil in „Arien“ (1979), Torferde in „Le Sacre du printemps“ (1975) und ein weites Feld mit aufgesteckten Blumen in „Nelken“ (1982).
Diese Materialien kommen nicht von ungefähr: Bekannt ist Pina Bausch in der Tanzlandschaft für ihre außergewöhnliche Methode des Fragenstellens und Aufgabengebens während stundenlanger Probenprozesse. Etwa die Aufgabe, die sie ihrem Ensemble 1989 in den Proben für „Palermo Palermo“ stellte: „Wie würdet ihr einen Baum zeichnen?“

Die Resultate wurden dabei nicht unmittelbar in Bewegung oder in Szenen umgesetzt, sondern dienten als Anregungen, als Angebote der Tänzer, die dann entweder von der Choreografin, bewahrt, verworfen, oder direkt für das Stück verwendet wurden. Diese Angebote können wir heute auf der Bühne verfolgen, transformiert in einer Collage aus spielerischen wie tänzerischen Sequenzen. Humorvoll überspitzt etwa, wenn Nazareth Panadero von ihren Spaghetti-Gelüsten erzählt – heute beim Gastspiel in Berlin, sowie damals 1989 in Wuppertal.

Und die gezeichneten Bäume der Tanzenden von 1989? Sie hängen als Exponate aktuell noch bis zum 9. Januar 2017 im Martin Gropius Bau. Dort widmet sich die Ausstellung „Pina Bausch und das Tanztheater“ mit vielen bisher im Verborgenen bewahrten Dokumenten aus Notizen, Regiebüchern, Videos und Fotos den Lebensstationen der einstigen Pionierin des Tanztheaters.

Haus der Berliner Festspiele Fr 16.12. – Mo 19.12., 19:30 Uhr, Eintritt 15 bis 32 €, Leider nur noch Restkarten an der Abendkasse

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