Theater

Polski Express III im HAU

PolskiExpress_APolloniaAls Stefanie Wenner die dritte Ausgabe des Theaterfestivals „Polski Express – The Promised City“ für das HAU vorbereitete, war das Flugzeug des polnischen Präsidenten Lech Kaczynski noch nicht in Smolensk abgestürzt und er selbst und seine Begleiter lebten noch. Am Festival-Programm konnte das HAU nicht mehr viel ändern, musste man aber auch nicht. Denn Inszenierungen wie „Samsara Disco“ von Agnieszka Olsten, „Das gelobte Land“ von Jan Klata oder „Kaspar“ von Barbara Wysocki, die derzeit jeden Theaterpreis zu bekommen scheint, den man in Polen zu vergeben hat, sind sowieso erbarmungslos genaue Bestandsaufnahmen über den aktuellen Zustand der polnischen Gesellschaft.

Es sind Stücke über den Kreislauf von Gier, Hass und Verblendung. Über die unglaubliche Hast, mit der man in Polen, dem derzeit einzigen europäischen Land, dessen Wirtschaft trotz der Rezession kräftig wächst, dem großen Geld nachjagt. Mit „Greed is good“, Gordon Geckos berühmter Rede aus Oliver Stones erstem „Wallstreet“-Film, beginnt „Das gelobte Land“ von Jan Klata. Fröhlich und sehr böse wird darin die Geschichte über die boomende Textilmetropole Lodz aus dem späten 19. Jahrhundert in die Gegenwart katapultiert.Neben Theaterproduktionen in deutscher und polnischer Sprache gibt es Videoinstallationen und Tanzperformances und unter dem Titel „Durch die Kreise der kapitalistischen Hölle Polens“ Vorträge und Diskussionen mit den Machern von Krytyka Polityczna, der wichtigsten Zeitschrift der Linken in Polen. Eröffnet wird das Festival mit „We will be strong in our Weakness“ über das jüdische Leben in Polen.     

Text: Michaela Schlagenwerth

Polski Express III
im HAU 1
, HAU 2 und HAU 3,
25.5.–5.6., Karten unter 25 90 04 38

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