Theater

„Porn of Pure Reason“ an der Volksbühne

PornOfPureReasonDer Titel ihres Abends lautet „Porn of Pure Reason“, das Ergebnis aber ist von reiner Vernunft so weit entfernt wie Immanuel Kant von Teresa Orlowski. Vor Beginn wird das im Hinterhof der Volksbühne auf Einlass wartende Publikum schon mal gewarnt: „Wir bieten dir ein Ritual an, das der Kraft der Pornografie gewidmet ist. Wir massieren deine Gedanken. Dein Körper ist unsere Bühne. Erlebe deinen Körper“, hört man aus einem Lautsprecher und ahnt, dass der Abend mühsam werden könnte.
Im Foyer gibt es ein bisschen elegisches Piano-Geklimper, drei Darstellerinnen schreiten sehr feierlich im Rückwärtsgang durch den Raum. Dazu spricht eine bedeutungsschwere Stimme aus dem Off prätentiöse Orakel-Sprüche: „Ich präsentiere den Giganten der Kultur in seiner stereotypen Form. Die Emotionen, die dir begegnen, sind das einzige Schauspiel. Es wird kein anderes Schauspiel geben.“ Und zumindest das ist kein leeres Versprechen. Theater findet an diesem Abend nicht statt, höchstens das Schmierentheater des Bluffs.

Der Rest des Abends besteht im Wesentlichen daraus, dass man an verschiedenen Orten der Volksbühne Pornofilme zu sehen bekommt, was in Zeiten des Internets zwar immer noch unappetitlich, aber nur von der Provokationskraft eines lauen Lüftchens ist. Der Hinweis, dies seien die in unserer Kultur am häufigsten betrachteten Bilder, macht die Veranstaltung nicht weniger trostlos. Um ihre Regiegage zu rechtfertigen, lassen die Herren Öhrn und Koskinen zu den Porno-Sequenzen feierlichen Tiefsinn aus dem Off deklamieren: „Die Maschine läuft in der Form der Wiederholung – immer wieder dringt sie in dich ein.“ Während man sieht, wie Damenhände ausgiebig den Penis eines Schwarzen bearbeiten, stellt die Off-Stimme mit dem verständnisvollen Tonfall eines Therapeuten die wiederkehrende Frage: „Wie fühlst du dich?“ Angesichts eines Films, der ausgiebig und detailliert zeigt, wie einer Asiatin mithilfe eines Trichters zappelnde Würmer in Körperöffnungen eingeführt werden, zog der Rezensent es vor, sich den Rest der Veranstaltung nicht weiter zuzumuten. Die überflüssigste Darbietung des Monats.     

Text: Peter Laudenbach
Foto: Markus Oehrn
tip-Bewertung: Ärgerlich

Porn of Pure Reason
Volksbühne, 21.6.
Karten-Tel. 24 06 57 77

 

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