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Premieren zum Tanz im August

Premieren zum Tanz im August

Kein Festival, das sich einen Namen machen will, verzichtet auf die Kür: das Risiko, dem Publikum auch Premieren zuzumuten. Virve Sutinen, die Kuratorin des Tanz im August, hat sich an drei Neuproduktionen beteiligt.
Für eine, auf die wir gespannt sind, sorgt die spanische Compagnie La Veronal um den Choreografen Marcos Morau. Die Spanier  begeisterten beim letzten Tanz im August vor einem Jahr mit ihrem Stück „Sieni“ – eine eigentümlich surreale Mischung aus Handlungsballett und einem so großartigen Tanzaufgebot, dass es einem Altstar wie William Forsythe das Wasser reichen durfte. Da rankte sich ein schauerliches Spiel um die Besucherin einer Galerie, die vor dem berühmten Tizian-Gemälde „Venus von Urbino“ immer neue, sonderbare Tode starb. Diesmal soll es tiefer hinabgehen zu den Krubera-Voronia-Höhlen in Georgien. „Voronia“ nennt Morau sein neues Stück, und blickt in der tiefsten Kaverne der Welt, wo Dante einst die Hölle vermutete.
Fast spontan entschied sich Virve S­utinen, das neue Werk der Kölner Choreografin ­Stephanie Thiersch „Bronze by Gold“ zu ermöglichen. Ihre Compagnie Mouvoir arbeitet bereits zum zweiten Mal – nach „for four“ 2014 – mit dem renommierten Asasello Quartett zusammen: diesmal, um ein für das Bonner Beethovenfest gedachtes Multimedia-Werk zu realisieren. So steht Beethovens „Große Fuge“ am Anfang, die schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts als zu laut, zu wild, zu komplex, schlicht als „zu viel“ galt. Zu ihr spielt Mбrton Illйs „Torso V“, und es gibt „Raga ? “ von Hikari Kiyama, der – von Noise, Trance und Death Metal inspiriert – einen elektronisch verstärkten und verzerrten Klangraum kreiert.
Natürlich erinnert das an die Klage, der Mensch werde überflutet, erhalte zu viele und schlechte Information; der Noise des Lebens lasse uns kein Zeit, der Körper würde sich dagegen wehren. Wenn dem so ist, dann sehen wir bei sieben Tänzern, wie viel zu viel ist.
Auch wenn Sutinen möglicherweise keine Berliner Künstler auf ihrem internationalen Festival sehen möchte – eine Kollaboration mit der Schaubühne und der dort frei hinein- und hinausflotierenden Choreografin ­Constanza Macras wagt sie trotzdem. Bei der Uraufführung von „The Ghosts“ (Foto) zum Festivalfinale geht es Macras um das Schicksal der Tänzer am Ende ihrer Karriere. Wie Sportler werden auch sie vom Betrieb unvorbereitet ausgespuckt. Schon im Alter von Mitte 20 gehören sie zum alten Eisen. Macras ­recherchierte in China, traf auf die ehemalige Gymnastikweltmeisterin Liu Fei, die nun ohne staatliche Rente oder Perspektive auskommen muss. Solche entlassenen Akrobatinnen aus dem 1.000 Jahre alten chinesischen Zirkus treffen auf Macras’ freie Compagnie DorkyPark, um als altes Eisen tüchtig entrostet zu werden.?     

Text: Arnd Wesemann

Foto: Manuel Osterholt

Mouvoir/Stephanie Thiersch: „Bronze by Gold“ Radialsystem V, Sa 22.+So 23.8., 20 Uhr

La Veronal: „Voronia“ Schaubühne, ?Do 27.–Sa., 29.8., 19 Uhr

Constanza Macras/DorkyPark: „The Ghosts“ Schaubühne,? Do 3.+Fr 4.9., 21 Uhr

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