Theater

Professor Unrat am Maxim Gorki Theater

Professor_Unrat_im_Maxim_Gorki_TheaterAlles, was man gegen diese Inszenierung vorbringen könnte, liegt so überdeutlich auf der Hand, dass es fast schon langweilig ist, es aufzuzählen. Indem Sebastian Baumgarten am Maxim Gorki Theater Heinrich Manns aggressiv-hellsichtige Schulsatire „Professor Unrat“ von 1905 in eine diffuse Gegenwart, halb heute, halb ein Echo wilhelminischer Verhältnisse, versetzt, verfehlt er beides: Manns zeitdiagnostischen Roman mit seiner Studie eines langsam durchdrehenden autoritären Charakters und die ungenau anvisierte Gegenwart. Auch die Mode der Roman-Dramatisierung führt hier bestenfalls dazu, dass sich lesefaule Oberschüler vage mit dem Stoff vertraut machen können, ohne die Freuden und Mühen der Lektüre hinter sich bringen zu müssen.

Professor_Unrath_Kathrin_AngererIrgendeinen erkenntnisstiftenden Mehrwert beschert dem Stoff der Transport auf die Bühne nicht. Daran ändern auch die lustigen Dokumentarfilmfetzen aus Afrika und diversen Kriegen nichts, mit denen die Inszenierung aufzuwarten weiß. Dass man trotz dieser Defizite dem Bühnengeschehen teilweise nicht ungern folgt, liegt zum einen an der immer wieder umwerfenden Kathrin Angerer, zum anderen an Baumgartens schnör­kel­loser und insgesamt atmosphärisch überzeugender Erzählweise. Schade nur, dass Andreas Leupold als Lehrer Raat den Verfall seiner Figur lediglich durch einen Wechsel der Oberbekleidung – vom steifen Anzug zum zwanglosen Unterhemd, darzustellen vermag.     

Text: Peter Laudenbach
Fotos: Thomas Aurin

(tip-Bewertung: Annehmbar)

Termine: Professor Unrat
im Maxim Gorki Theater (Adresse/Googlemap)

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