Theater

Puh!

Eigentlich hielt sich unser Interesse am Schaffen Leander Haußmanns in den letzten Jahren in sehr engen Grenzen. Was man von vertrauenswürdigen Bekannten hörte, die sich den Besuch seiner Kinofilme aus beruflichen Gründen antun mussten, klang nicht so, als würde man Perlen der Filmkunst verpassen, wenn man Haußmanns Werke ignorierte. Tauchte Haußmann in den Medien auf, gab er den schrulligen Onkel, der gerne mal erzählte, dass er CDU wählt. Eigentlich hatten wir Leander Haußmann als erledigten Fall abgehakt. Und dann das: Vor einigen Wochen konnte man von Haußmann einen großartig psychotischen, mutigen „Polizeiruf“ sehen, der alle langweiligen Fernseherzählkonventionen souverän ignorierte und noch einmal an den experimentierfreudigen Regisseur erinnerte, der Haußmann mal war.

Gleichzeitig legte er ein autobiografisches Buch mit dem neckischen Titel „Buh“ vor („Mein Weg zu Reichtum, Schönheit und Glück“), in dem er so charmant, verspielt, anekdotenfreudig und neugierig aus seinem Leben, vor allem seinem Theaterleben, erzählt, dass man der Gattin dauernd gutgelaunt Passagen daraus vorlesen will – tolles Buch. Sehr komisch erzählt Haußmann, wie Botho Strauß ihn besucht und irritiert sein schmales Bücherregal in­spiziert. Mit Selbstironie und dem Schwung der frühen Jahre serviert er Geschichten aus seiner Anfängerzeit. Mit trockener Komik, frei von Larmoyanz, berichtet er von einem Burnout-Absturz, der kurz in der Psychiatrie endet – und immer ist dieser wache, lebensgierige, warmherzige, unverschnöselte Erzähler eine Freude. Wir wiederholen es gerne: Tolles Buch.

Leander Haußmann „Buh“, Verlag Kiepenheuer & Witsch, 272 Seiten, 18,99 Ђ

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