Theater

„Pünktchen trifft Anton“ im Grips Theater

PuenktchenUndAnton„Wenn die Menschen, denen es gut geht, den anderen, denen es schlecht geht, nicht aus freien Stücken helfen wollen, wird es noch mal ein schlimmes Ende nehmen“, warnte Erich Kästner während der Weltwirtschaftskrise im letzten Jahrhundert. Kein schlimmes Ende nimmt die Uraufführung von „Pünktchen trifft Anton“ im Grips-Theater, die Volker Ludwig nahe an Kästners Großstadtroman von 1931 dramatisiert hat. Zumindest bei Bühnenlicht betrachtet, stehen die Chancen für soziale Gerechtigkeit ganz gut. Zwar entscheidet das Theater nicht, ob Anton und seine Mutter Ewa, illegale Migranten, als „Härtefälle“ endlich legal in Deutschland leben dürfen. Doch Armut und die geheime Wohnung im Wedding sind mit dem Umzug in die Grunewald-Villa der stinkreichen Familie Pogge passй. Und das hat der Leergut sammelnde Anton der forschen Wohlstandsgöre Pünktchen Pogge zu verdanken, die ihn eines Nachts auf der Berliner Friedrichstraße aufgabelt.

Auf die schicksalhafte Begegnung folgt in der Regie von Frank Panhans nicht Kästners große Kinderfreundschaft, sondern die erste Liebe ? anrührend schüchtern und mit selbstbewusster Unbedingtheit gespielt von Florian Rummel und Jennifer Breitrück. Berlin ist ein Skaterpark mit Graffitis, den das Grips-Ensemble in liebevoll arrangierten Szenen bespielt, berutscht und besingt. Im Hintergrund zeigen wechselnde Video-Prospekte Berlin-Szenarien: das vereinsamte Wohnzimmer der vielbeschäftigten Wohlstandseltern Pogge, sie Charity-Lady, er Immobilienmakler. Die Friedrichstraße, wohin Pünktchen nachts heimlich mit dem hysterisch-verliebten Au-pair Peggie ausbüchst. Und natürlich die große Villa, in die deren Freund Bobby (Robert Neumann im Pete-Doherty-Look) einbrechen will, die aber von der patenten Haushaltshilfe Berta (Michaela Hanser) mit Harry-Potter-Zaubern beschützt wird.

Text: Anja Quickert

Foto: David Baltzer

tip-Bewertung: Sehenswert

Pünktchen trifft Anton Grips Theater, ausverkauft bis zum 29. Februar 2012, Karten-Tel. 39 74 74 77, Kontakt für Schulen:  39 74 74 11

INTERVIEW MIT VOLKER LUDWIG

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