Theater

„Quai West“ in der Volksbühne

Quai_WestDer Banker (Peter Kremer), der Gelder veruntreut hat und sich von seiner Sekretärin (Pascale Schiller) an einen Hafenort mit symbolischem Endzeitcharme chauffieren lässt, um dem drohenden Prozess durch Suizid zu entgehen. Die hoffnungsfreien Gestalten, die dort bereits herumlungern, kennen als Kommunikationstechnik nur noch das Feilschen und als Lebensform den Deal: Irgendwie ist man Werner Schroeter ja durchaus dankbar, dass er Bernard-Marie Koltиs’ „Quai West“ nicht zeigefingernd auf Tagesaktualität getrimmt hat.
Andererseits: Der nüchterne Modellversuch, der ihm augenscheinlich vorschwebte, ist leider auch nicht frei von Nachteilen. Auf einer edel auf­gebockten Scheibe mit ausdrücklicher Absturzgefahr, die via Dreh-, Heb- und Senkbewegungen gern mal die Ausstattungsmuskeln spielen lässt, plaudern die gestrandeten Dealer in gebotener Statik zwei Stunden so dahin, wobei die Koltиs-Sätze in der deutschen Fassung Heiner Müllers gern mal ins unangenehm Bedeutungshuberische driften. Im Grunde ist der Volksbühne mit „Quai West“ die adäquate Inszenierung zu den saisonalen Sitzsäcken geglückt, auf denen man tatsächlich wesentlich gemütlicher vor sich hindämmern kann als in der üblichen Bestuhlung. Was einen allerdings immer mal wieder konzentriert vom Sack hochfahren lässt, ist die Tatsache, dass sämtliche Schauspielerleistungen definitiv über dem momentanen Volksbühnen-Durchschnitt liegen.
Text: Christine Wahl
Foto: Thomas Aurin

tip-Bewertung: Annehmbar


Termine: Quai West in der Volksbühne, Rosa-Luxemburg-Platz, Mitte
Tickets www.tip-berlin.de/tickets

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