Klavier

Rafał Blechacz spielt leuchtend

Spillerige Fingerchen. Schlecht sitzender Anzug. Und eine Haar-Mütze, die sich von keinem Föhn beeindrucken lässt. Das Aussehen von Rafał Blechacz ist von vertrauenerweckender Unpopularität

Foto: Felix Broede/DG

Auf Fotos sieht er zwar noch recht anbietbar aus. Das Bürschlein aber, das da vorne auf dünnen Beinen zum Flügel hetzt, entspricht weder romantischen Künstlertypen noch dem Glamour-Faktor, der sonst für Schallplattenverträge sorgt. Und doch: Der 31-jährige Pole ist der beste junge Pianist von allen (neben Daniil Trifonov und Benjamin Grosvenor).
Die Deutsche Grammophon hatte ihm schon gekündigt, weil er medial allzu blässlich rüberkam – hat ihn aber jetzt doch wieder übernommen. 2005 gewann Blechacz den gewichtigen Warschauer Chopin-Wettbewerb. Seine unschlagbare Stärke ist der brutale Ernst, den er in seiner Musik auszudrücken weiß. Gegen ihn liefern die meisten anderen Pianisten kaum mehr als Pillepalle. Man muss nicht denken, dass Negativität in der Musik schlimm wäre. Das Gegenteil ist der Fall.
Parallel zur Solokarriere stürzte sich Blechacz in ein Philosophie-Studium. Schwerpunkt: der erzkatholische Romano Guardini. Wenn man ihn trifft, hat Blechacz nicht sonderlich viel zu sagen. Doch die Abschottung, unter der er im oberschlesischen Nakel reifte (wo er geboren wurde und wo er vermutlich noch lebt) bewirkte einen extremen Kondensations- und Intensivierungsprozess. Sein Beethoven ist inständiger, sein Bach gesanglich leuchtender, sein Chopin radikaler als bei seinen Zeitgenossen. Und genau diese Komponisten spielt er in Berlin.

Kammermusiksaal Fr 24.2., 20 Uhr, Karten 20 – 55 € (Studierende 15 € an der Abendkasse)

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