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„Rappresantatione di Anima et di Corpo“ an der Staatsoper

RapprasentationeDiAnimaEtDiCorpo_c_HermannUndClaerchenBausAchim Freyer ist noch immer der verlässlichste Zeitlupen-Fellini, den das Theater in Berlin hervorgebracht hat. Die schwarz angezogenen Rund-, Spitz- und Sitzköpfe seines neuesten, im Frühbarock angesiedelten Opern-Exerzitiums lassen Luftballons steigen. Sie vollführen mit weißen Handschuhen ihre gewohnte Schupo-Gestik unter der Discokugel. Und widmen sich diesmal der Frage, ob Welt oder Gott, Lust oder Entsagung für unser Leben bestimmend sein sollten. Das „Spiel von Seele und Körper“ („Rappresentatione di Anima et di Corpo“) von Emilio de’ Cavalieri ist so alt, dass noch nicht einmal der Ausdruck „Oper“ erfunden war, als Cavalieri das Werk 1600 für die Medici in Florenz komponierte. Die Frage nach Diesseits oder Jenseits wird streng und entsagungsvoll beantwortet – zuungunsten des Spaßes.

Dirigent Renй Jacobs hat für den Neunzigminüter eine Aufführungsversion erstellt, die nach Kräften pustet, pulvert und pulsiert. Das Orchester ist dreigeteilt. Links und rechts von einem autobahnbreiten Bühnen-Laufsteg treten die Sänger aus den Orchester-Flanken heraus. Alle bilden eine Wartesaal-Gemeinschaft auf der Durchreise zum Tod. Marie-Claude Chappuis, Johannes Weisser und Marcos Fink erhalten wenig vokale Entfaltungsmöglichkeiten. Aus dem Orchestergraben, wo Renй Jacobs alleine steht, steigen giftige Höllendämpfe auf. Wie so oft hat Renй Jacobs die Sympathien des Premieren-Publikums vollständig auf seiner Seite. Dem 78-jährigen Achim Freyer wiederum muss man es lassen, dass er mit seinem pastosen, in der Kindergarten-Endlosschleife verharrenden Jahrmarktstreiben immer dieselbe Grundidee variiert: Die Sänger spielen Puppen, die ihrerseits Menschen spielen. Wenn Freyer nur nicht immer so alles-umarmend-lieb und kunstgewerblich dabei würde! Mit dem Abend wird eine akademische Lücke in unserem Theaterbild gefüllt. Kaum ein Zeitgenosse hat diese Ur-Oper je gesehen. Die Auratik eines „Orfeo“ aber oder einer „Marienvesper“ von Monteverdi erreicht Cavalieri nicht.

Text: Kai Luehrs-Kaiser

Foto: Hermann und Clärchen Baus

tip-Bewertung: Sehenswert

Rappresantatione di Anima et di Corpo Staatsoper im Schiller Theater, Fr 8., So 10., Mi 13., Fr 15., So 17.6., 19.30 Uhr, Karten-Tel. 20 35 45 55

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