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„Raub der Sabinerinnen“ an der Komödie am Ku\damm

DerRaubDerSabinerinnenKatharina Thalbach hat sich an der Komödie am Kurfürstendamm einer Klamotte aus finsterer wilhelminischer Zeit angenommen. In „Der Raub der Sabinerinnen“ überredet der Direktor einer Schmierentheatertruppe einen ahnungslosen Gymnasialprofessor, eine von diesem verfasste „Römertragödie“ aufzuführen. Die ist natürlich ein Witz. Thalbach inszeniert und spielt die Hauptrolle des Theaterdirektors sowie dessen regieführende Gattin in Personalunion.

Wenn das Theater, wie man so hört, sowieso wieder zum Boulevard will, warum dann nicht gleich zum richtigen? Mit krächzendem Kakadu, angeklebten Bärten, aufgesetzten Akzenten (Sächsisch, Berlinerisch), vorgetäuschten Ohnmachten und einem kaputten Sessel, der regelmäßig zusammenkracht. Immer wieder saukomisch, wie so eine schusselige Professorenkarikatur (Markus Völlenklee) mit letzter Kraft seine heikle Würde zu verteidigen sucht, seine wuchtige Ehefrau (Andreja Schneider) das im Ansatz aber sofort zertrümmert. Vorbildliche Eheführung. Deutlich wird das Altbackene und Feiste des Textes in seiner selbstverständlich volles Rohr ausgespielten Muff-Sexualisierung. Und statt, wie zuletzt häufiger, veritable Opernhäuser mit albernem Kram zu behelligen, gelingt es Thalbach hier, albernen Kram mit Oper aufzumöbeln. Walkürenritt fürs Ehegewitter, „Don Giovanni“ für die junge Liebe.

Schon rührend, wie Anna Thalbach als jüngere Tochter des Professors und Tobias Schulze als dessen zukünftiger Schwiegersohn eine szenische Pantomime zu einer schlagermäßig schwelgenden Aufnahme des Liebesduetts von Zerlina und Don Giovanni aus Mozarts Oper aufführen. Die alte Grammofonplatte hat natürlich einen Sprung, und Anna Thalbach zieht eine schöne Zerlina-Schnute. Muss man wissen, dass einer der schönsten kleineren Texte Adornos „Huldigung an Zerlina“ heißt und darin eine Erotik „geschützt vor bürgerlicher Barbarei“ beschworen wird, oder dass Roland Barthes das Redundante der Liebesbeteuerung mit dem berüchtigten Sprung in der Schallplatte verglichen hat, um die Schnutengeste zur Grammofon-Zerlina so ungeheuer rührend zu finden? Nein, aber es hilft.

Alkohol hilft auch: Am Ende des Stücks sind fast alle Protagonisten hoffnungslos besoffen und/oder verliebt. Zwar ist so gut wie alles an Text und Inszenierung vom „Raub der Sabinerinnen“ für Vernunft und Gegenwart verloren, aber es gibt in Thalbachs Inszenierung eine herausragende Spielfreude als echte Überzeugungstat zu bewundern.

Text: Andreas Hahn

Foto: Joachim Hiltmann

tip-Bewertung: Herausragend

Der Raub der Sabinerinnen Komödie am Kurfürstendamm, bis 31.5, täglich außer Montag, 20 Uhr, Karten-Tel. 88 59 11 88

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