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„Rave – The- Party-Simulator“ im Ritter Butzke

Rave_ThePartySimulator_c_JanaSolomWenn das Theater versucht, Partyexzesse zu imitieren, landet es meist beim künstlerischen Format des Kindergeburtstags. Man verlässt den Tatort dann zwar durchaus mit einem üblen Kater, aber leider nicht vom Alkohol. Dass derlei Bedenken beim „Party Simulator“ der Tallinner Performancegruppe Cabaret Rhizome völlig unbegründet sind, haben die Zuschauer in Estland bereits bewiesen: „Leute, die einfach von Freunden mitgeschleppt wurden, ohne zu wissen, dass es sich um eine Theaterperformance handelt, haben das teilweise bis zum Schluss nicht gemerkt“, erzählt der Regisseur Johannes Veski.

Kein Wunder: Die Wodka-Shots, die in „Rave – The Party Simulator“ verabreicht werden, sind garantiert simulationsfrei – weshalb der Abend auch erst für Zuschauer ab achtzehn Jahren zugelassen ist. In kleine Gruppen unterteilt durchläuft man während der Performance fünf Szenarien, die tiefe Einblicke in durch Drogen erweiterte (oder auch verengte) Bewusstseinszustände geben: An einer Station versuchen sich „schlecht vorbereitete, betrunkene Schauspieler an einer antiken Tragödie – auf Altgriechisch“, verrät Veski. An einer anderen entwickeln Akteure, die alkoholbedingt in den Zustand der fröhlichen Diskoordination übergetreten sind, entsprechende Choreografien. Und an der dritten stehen „absurde Trinkspiele“ auf der Agenda, die sogar noch „etwas ekliger“ ausfallen als in der wirklichen Eckkneipe. Die meisten Zuschauer fänden nach der Veranstaltung trotzdem noch, dass Partys eine tolle Sache seien, der man sich viel öfter hingeben sollte, lacht Veski.

Dabei geht es ihm und seiner Truppe durchaus darum, unsere „Manipulierbarkeit“ durch (bio)chemische Substanzen vorzuführen – wenn auch zeigefingerfrei. Ein Publikum, das zwischen Party und Theater tatsächlich keinen Unterschied findet, sei eigentlich gar nicht das Ziel der Veranstaltung.

Sondern? Er möge als Theatermacher grundsätzlich die „leeren Landschaften“, erklärt Veski, „all dieses Beckett-Zeug“. Vor diesem Hintergrund hätten ihn die „absurden Nightlife-Landschaften“, die ja im dramaturgischen Sinne „keinerlei Drama und kein Event“ kennen, sondern lediglich einen „Flow“, wahnsinnig interessiert: „Menschen, die immer gemeinschaftlicher, stumpfsinniger und ihrem eigenen Tun gegenüber bewusstloser werden.“ Übrigens gibt die Truppe Cabaret Rhizome mit diesem Party-Abend im Rahmen des Nordwind-Festivals ihr Berlin-Debüt. Prost!

Text: Christine Wahl

Foto: Jana Solom 

Rave – The- Party-Simulator Ritter Butzke, Do 28.?+?Fr 29.11., 22 Uhr, So 1.?+?Mo 2.12., 21 Uhr, Karten-Tel. 25 90 04 27

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