Theater

Rebekka Kricheldorfs Stück „Alltag & Ekstase“

In den Niederungen des Alltags wird, so die Diagnose der Dramatikerin Rebekka Kricheldorf, nicht mehr gelebt, sondern nur noch gequasselt. Vom gesunden Frühstück bis zum beglückenden Beischlaf: alles wird von den ökologisch korrekten und multikulturell engagierten Zeitgenossen zu Kommunikationsbrei zerkaut.

Rebekka Kricheldorf widmet sich in „Alltags & Ekstase“ den Macken der vom Zeitgeist besoffenen Menschen. In der krachledernen Inszenierung von Daniela Löffner in den DT-Kammerspielen ist ständig etwas los, aber eigentlich geschieht rein gar nichts. Holzschnitt statt Feinschliff. Sprechautomaten statt Menschen. Die Bühne (Claudia Kaminski) – eine zirkusartige Arena. Darin dürfen sich all die Egomanen mit ihren Floskeln und Phrasen zu rhetorischen Clowns machen. Eine Weile ist das Gequassel von Janne (Jannek Petri) und Günther (Harald Baumgartner), Sigrun (Judith Hofmann) und Katja (Franziska Machens) ganz unterhaltsam, aber irgendwann geht es einem nur noch auf die Nerven.

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Zum Glück stören zwei Klischee-Exoten die selbstverliebte Ich-Gesellschaft. Der Japaner Takeshi (Thomas Schumacher) hat auf politisch korrekten Ethno-Kitsch keine Lust, säuft literweise Bier und suhlt sich im Karneval-Klamauk. Und das Mädchen River (Nermina Jovanovic). stopft ständig Berge von Billigessen in sich hinein und sagt kein einziges Wort. Statt auf die pädagogischen und politischen Ratschläge ihrer Eltern zu hören, spielt sie lieber mit dem Handy oder drangsaliert ihre Puppen mit dem Messer. Sie ist ein Monster. Sie ist die Zukunft. 

Text: Frank Dietschreit

Foto: Arno Declair

tip-Bewertung: Zwiespältig      

Deutsches Theater/KammerspieleAlltag & Ekstase„, Mo 17.2., 20 Uhr, Karten-Tel. 28 44 12 25  

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