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„Refugee-­Welcome Center“ von Peter Laudenbach

Künstler neigen zum Pathos und zur großen Geste. Jenseits der Bühne kann das fatal werden: In der wirklichen Welt ist Nüchternheit in der Regel hilfreicher. Jüngstes Beispiel eines großen Künstlers, der seine politische Unzurechnungsfähigkeit etwas zu offensiv demonstriert, ist der Lette Alvis Hermanis. Hermanis, der in Berlin an der Schaubühne und der Staatsoper gearbeitet hat und mit seinen Inszenierungen immer wieder Gast beim Theatertreffen im HAU war, ist derzeit sicher einer der interessantesten europäischen Regisseure eines dezidiert konservativen, an Pop und Dekonstruktion desinteressierten Theaters.
Jetzt hat er eine geplante Inszenierung am Hamburger Thalia Theater mit einer bemerkenswerten Begründung abgesagt: Das Theater verwandle sich in ein „Refugee-Welcome Center“. Und an einem Theater, das Flüchtlingen helfe, wolle er nicht arbeiten. Das ist zwar eine etwas widerliche Einstellung, aber sein gutes Recht. Noch kruder ist Hermanis Begründung dafür, dass er nicht an einem Theater arbeiten will, das Menschen in Not hilft: Flüchtlinge seien potentielle Terroristen, orakelt er. Und übersieht, dass die Terroristen von Paris in Frankreich und Belgien aufgewachsen und Produkte der westlichen Gesellschaften sind.
Theater und Opern, die Hermanis nach dieser Ansage noch engagieren, setzen sich dem Verdacht aus, kein Problem mit Rassisten zu haben. Ich habe derzeit keine große Lust, mir noch mal eine Inszenierung von Alvis Hermanis anzusehen.

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