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Regisseur Boris Nikitin im Gespräch über „Imitation of Life“

NIKITIN_c_BorisNikitin„Imitation of Life“ hatte 2009 seine HAU-Premiere. Warum nehmen Sie das Stück jetzt wieder auf??
Die Performance ist mehr als vier Jahre lang getourt; letztes Jahr gab es Gastspiele in Johannesburg, Kapstadt und Moskau. Der Impuls zur Wiederaufnahme kam vom HAU: Warum sollte man permanent Neues produzieren, wenn es interessante Produktionen gibt, die man noch einmal zeigen kann? Außerdem gab es in letzter Zeit – zum Beispiel beim „Disabled Theatre“ von Jйrфme Bel – viele Diskussionen um Echtheit auf der Bühne und den Zusammenhang mit dem Dokumentarischen. „Imitation of Life“ nimmt da eine spannende Position ein.

Inwiefern?
Weil es die Frage der echten Person, der echten Biografie auf der Bühne ganz grundsätzlich verhandelt. „Imitation of Life“ tritt zuerst einmal wie ein dokumentarischer Theaterabend mit zwei Performern auf – Beatrice Fleischlin und Malte Scholz –, die aus ihrem Leben erzählen. Erst ganz allmählich merkt man, wie sich das Theater in die scheinbare Wirklichkeit auf der Bühne einschleicht. Der Raum entlarvt die „Wahrheit“, das Biografische, als Theater-Illusion. Diese Behauptung, wir stünden jetzt als wir selbst hier – die Position des „Zeugen“ auf der Bühne –, die wollte ich thematisieren und auflösen. Das Versprechen der performativen und dokumentarischen Formen war ja: Jetzt kommen andere Menschen auf die Bühne, die etwas repräsentieren, das vorher nicht vorkam. Deshalb glaubt das Publikum dem Dokumentarischen auf der Bühne. Die Entscheidung, ob man die Performer auf das reduziert, was sie zu sein scheinen, trifft der Zuschauer. Aber dieser Glaube an das „Authentische“ auf der Bühne ist eben nicht der sogenannte „Einbruch des Realen“, sondern des Fiktionalen auf der Bühne.

Und wie irritieren Sie diesen Glauben?
Zum Beispiel, wenn Beatrice Fleischlin erzählt, dass sie in der Schauspielschule gelernt hat, wie man Emotionen auf der Bühne darstellt. Die Technik der Emotion ist mit Erinnerung verbunden. Wenn sie auf der Bühne weinen soll, denkt sie an die drei Wochen, in denen sie ihren Vater beim Sterben begleitet hat. Und während sie das erzählt, fängt sie auf der Bühne an zu weinen. An diesem Punkt fällt beides unentscheidbar ineinander: das echte Leben und seine Imitation.

Interview: Anja Quickert

Foto: Boris Niktin

Imitation of Life HAU 3, Do 20.– Sa 22.6., 20 Uhr, Karten-Tel.: 25 90 04 27

 

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