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Regisseur Philipp Stölzl über „Orpheus in der Unterwelt“

Stoelzl-Philipp_c_Matthias-Baustip: Sie haben in Ihrer Inszenierung von Jacques Offenbachs Operette „Orpheus in der Unterwelt“ nicht nur Sänger der Staatsoper, sondern auch prominente Schauspieler besetzt: Hans-Michael Rehberg, Stefan Kurt, Ben Becker. Was versprechen Sie sich von dieser Schauspieler-Besetzung im Musiktheater?

Philipp Stölzl: Offenbachs Operetten waren in ihrer Entstehungszeit auch nicht mit Opernsängern besetzt. Das waren alles singende Schauspieler. Die Sängerinnen im Chor waren gleichzeitig Tänzerinnen und vielleicht auch noch Halbwelt-Damen. Das ganze Genre kommt aus einer nicht so vornehmen Ecke. Entsprechend satirisch und stand-up-mäßig sind die Librettos. Mit einem klassischen Opernapparat, mit großem Orchester und großen Stimmen, wird man dem nicht gerecht. Da fehlt schnell die Leichtigkeit, der Charakter des aus der Hüfte Geschossenen, der dem Genre guttut. Jürgen Flimm und ich dachten, es wäre reizvoll, das Genre mit einer Mischung aus Opernsängern und Schauspielern, mit kleinem Orchester, zu untersuchen. Die Idee ist ja nicht ganz neu, in der Bar jeder Vernunft gab es vor Jahren „Das weiße Rössl“, am Deutschen Theater hat Michael Thalheimer „Die Fledermaus“ von Johann Strauß mit Schauspielern inszeniert.

tip: „Orpheus in der Unterwelt“ ist nicht nur im musikalischen Genre, sondern auch im erzählten Stoff eine ziemlich komische Parodie auf die große Oper mit ihren ungebrochenen großen Gefühlen, oder?

Stölzl: Ja, das kommt stark aus der Satire und der Verdrehung. Das ist auch als Zeitsatire geschrieben. Die Frage ist natürlich, wie diese satirischen Momente aus Offenbachs Zeit heute noch funktionieren. Ich freue mich sehr, dass Thomas Pigor für unsere Inszenierung das Libretto neu bearbeitet hat. Die ganzen spöttischen Betrachtungen, die Offenbach über Mann und Frau, Ehe, Liebe, Treue und Betrug anstellt, sind ja nicht veraltet, das gilt heute wie vor 100, 200 oder 500 Jahren.

tip: Sie sind vor allem als Filmregisseur bekannt. Erholen Sie sich bei den Opern-Inszenierungen von den Kino-Produktionen?

Stölzl: Ich inszeniere neben der Filmarbeit seit 6 Jahren Opern. Das hat in der Arbeit eine größere Leichtigkeit als eine große Film-Produktion, bei der viel Technik am Start und jeder Drehtag getaktet ist. Opern-Regie ist leicht und spielerisch und gleichzeitig sehr konzentriert. Ich genieße das sehr.

Interview: Peter Laudenbach

Foto: Matthias Baus

Orpheus in der Unterwelt Staatsoper, 16.12., 23.12., 28.12., 19.30 Uhr; 18.12., 25.12., 18 Uhr, Karten-Tel. 20 35 45 55

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