Theater

Rezension: „Armida“ in der Komischen Oper

Armida … Calixto Bieito bricht sie alle mit viel Gewalt, Gebrüll und Gerammel übers nämliche Sado-Maso-Andreaskreuz – wie nun in der Komischen Oper Christoph Willibald Glucks „Armida“ (1777).
Bei dem ziemlich vergessenen „heroischen Drama“ ließ er mal wieder sämtliche Hosen herunter. Schon mit der Ouvertüre kriecht ein Dutzend nackter Männer auf allen vieren herein und verweilt während der halben Aufführung auf einem von unten erleuchteten Podest, wodurch die baumelnden Gemächte ins rechte Licht gehängt werden. Die Damen, die allesamt wie Dominas agieren, treten die armen Kerle mit Absätzen und nehmen sie ansonsten für sexuelle Dienstleistungen in Anspruch.
Bieitos Bildsprache bleibt bei aller Drastik krude, die Gesangs­texte sind fast unverständlich, auf Übertitel wird verzichtet: Insofern ist kaum nachvollziehbar, dass es hier eigentlich um Kreuzritter und um eine verliebte Frau mit angebli­chen Zauberkräften geht, die mit den Anforderungen von Pflicht und Neigung schwer zurechtkommt. Wie rückhaltlos sich vor allem Maria Bengtsson als Armida auch dem Regie-Bluff hingibt, sängerisch vermag sie nicht zu überzeugen.
Welch vergeb­li­cher Aufwand, denkt man sich angesichts des von Konrad Junghänel bestens einstudierten und geleiteten Orchesters. Wenigstens da findet „Ar­mida“ statt, und zwar als künstlerisches Ereignis, und nicht, wie in Bieitos Inszenierung, als grober Unfug und unter der Gürtellinie.

Text: Irene Bazinger

Foto: David Baltzer

tip Bewertung: Ärgerlich


Armida Komische Oper, Mi 15. + So 26.4., Di 5. + Sa 23.5., 19 Uhr, Karten: 47 99 74 00, Tickets unter: www.tip-berlin.de/tickets

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