Theater

Rezension: La Périchole an der Komischen Oper

Der einsame Revolutionär (großartig: Andreas Döhler), der in der Komischen Oper auf der leeren Bühne so heroisch wie komisch die rote Fahne schwenkt und die Pariser Kommune von 1871 ausruft, kommt so bei Jacques Offenbach nicht vor. Die manisch scherzende, singende, bunte Operettengesellschaft ignoriert ihn nicht einmal, sie deckt seine Rufe einfach mit Gläserklirren und Gelächter zu. Soviel zum Verhältnis zwischen Operette, Restauration, Spaßterror und mehr oder weniger illusionären Revolutionsaufrufen. Der Rest, also Offenbachs Operette „La Périchole“, in der es die Straßensängerin Périchole (Karolina Gumos) an den Hof des Vizekönigs von Peru (Roger Smeets) verschlägt, ist in Nicolas Stemanns Inszenierung dann nicht viel mehr als ein Anhängsel der These von den konterrevolutionären und bewusstseinsbetäubenden Wirkungen des Entertainments. Damit auch jeder versteht, dass es hier vor allem darum geht, dass ohnehin alles nur Theater ist, tritt regelmäßig ein Ansager vor den Vorhang, der verkündet, normalerweise sei es ja kein gutes Zeichen, wenn im Theater ein Ansager vor den Vorhang tritt … Lustiger- und perfiderweise macht die Operette dank der gut aufgelegten Sänger und des beschwingt aufspielenden Orchesters dann aber trotzdem vor allem eines: Spaß.

(tip-Bewertung: Annehmbar)

Termine: La Périchole
in der Komischen Oper, (z.B. 29.6., 2.7., 19.30 Uhr)

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