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Rezension: „Leben ohne Chris“ in der Neuköllner Oper

Leben ohne Chris … „matschig tot“ ist. Noch weniger ermunternd für den frisch Verstorbenen sind die Reaktionen seiner Clique und Geschwister: „Selber Schuld“, meint der eine Kumpel. „Selbstmord war es nicht“, weiß der andere. „Er hat ja noch nie was zu Ende gebracht.“
Autor und Regisseur Peter Lund bedient sich bei seinem neuesten Musical „Leben ohne Chris“ in der Neuköllner Oper eines klassischen Dramaturgie-Kniffs. Mädchenschwarm Chris (Christopher Brose) kommt nach seinem Tod in Sneakern und coolem Totenkopf-Shirt zurück auf die Erde und muss unter den hämischen Kommentaren seines himmlischen Begleiters (Tobias Bieri) Verantwortung für sein Leben übernehmen. Nicht leicht, wenn der ihm genüsslich die eigenen depressiven Tagebucheinträge aus dem iBook vorliest: „Leben ist scheiße“, „Scheiß Leben“ und so weiter.
Doch natürlich geht’s in dem rasant inszenierten Stück nicht um den Tod, sondern um die Frage, wie wir uns durchs Leben schlagen. Humorvoll und berührend erzählt Lund seine Geschich­te um Vertrauen, Freundschaft und Verlässlichkeit. In Songs (musikalische Leitung: Wolfgang Böhmer) und Rückblenden erzählt Lund die letzten beiden Tage in Chris’ Leben. Gekonnt balanciert das Ensemble dabei zwischen Kitsch und Kunst und variiert die üblichen Verdächtigen des Jugend­theaters (Kampftrinken, Zukunftsangst, Liebeskummer, Geschwis­terzwist) mit eher ungewohnten Modefragen: „Was zieht man eigentlich auf einer Beerdigung an?“

Text: Björn Trautwein

Foto: Matthias Heyde

tip Bewertung:
Sehenswert

Termine: Leben ohne Chris
in der Neuköllner Oper, Karl-Marx-Straße 131, Neukölln

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