• Kultur
  • „Riding on a cloud“ im HAU3

Kultur

„Riding on a cloud“ im HAU3

Das Wunder ist, dass er heute als über 40-Jähriger überhaupt auf der Bühne steht. Der Schuss hat Teile seines Gehirns zerstört, das Sprachzentrum vor allem, Yasser blieb teilweise gelähmt. Er musste elementare Fähigkeiten neu erlernen. Zum Beispiel, Gegenständen die passenden Wörter zuzuordnen. Oder die Abbildungen von Dingen zu entschlüsseln. Auf Anraten seines Arztes begann er deshalb, kurze Videofilme zu drehen. Die Wiederaneignung der Welt mit der Kamera. Yassers älterer Bruder, der libanesische Regisseur Rabih Mrouй, macht aus diesem vordergründig unspektakulären Privatmaterial den 70-minütigen Theaterabend „Riding on a cloud“. Eine Art Video-Lecture-Performance, bei der Yasser als Protagonist Filme vorführt, vorgefertigte Texte spricht oder sie auf Band einspielt. Schlaglichter auf ein zerschossenes Leben.
Das Stück, das jetzt ins HAU kommt, hat bereits bei den Wiener Festwochen und bei Matthias Lilienthals Festival Theater der Welt in Mannheim das Publikum begeistert. Nicht, weil hier ein Schicksal herzzerreißend aufbereitet würde. Sondern weil der Regisseur am Elementaren rührt und unsere fragile Konstruktion von Wahrnehmung hinterfragt. Ohnehin ein prägendes Thema bei Rabih Mrouй, wie schon in seiner Installation „Double Shooting“. Die zerlegt einen so kurzen wie erschütternden Film – ein syrischer Demonstrant filmt mit dem Handy einen Sniper, der ihn tödlich treffen wird – in 72 Standbilder auf Plakatwänden, die sich im schnellen Vorbeilaufen wieder zur bewegten Sequenz fügen.     

Text: Patrick Wildermann

Foto: Yasser Mrouй

Riding on a cloud im HAU3, Do 15.1.+Fr 16.1., 20 Uhr; Sa 17.1., 19.30 Uhr; So 18.1., 18 Uhr; ?Karten-Tel. 25 90 04 27

Mehr über Cookies erfahren