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„Risiko: ­Interview“ von Peter Laudenbach

Peter Laudenbach

Wer dem tip Interviews gibt, lebt gefährlich. Zumindest im Theater. Juni: Renй Pollesch redet mit uns über seine neue Volksbühnen-Premiere „Cruel to be kind“. Es macht Spaß, ihm dabei zuzuhören, wie seine Gedanken überraschende Volten schlagen. Kurz nachdem das Interview erschienen ist, muss die Volksbühne die Premiere absagen, der Schauspieler Volker Spengler ist erkrankt. August: Zu Beginn der neuen  Spielzeit machen wir ein langes Interview mit Mark Lammert, dem Bühnenbildner der „Warten auf Godot“-Inszenierung am Deutschen Theater. Lammert denkt sehr prinzipiell über Theater nach, zum Beispiel darüber, was Beckett mit der antiken Tragödie zu tun hat. Die Premiere wird trotzdem verschoben. Der Schauspieler Wolfram Koch hat sich beim Surfen verletzt. Oktober: Frank Castorf inszeniert einen Roman des Ideologie-Irrläufers Curzio Malaparte, wir reden mit dem Volksbühnen-Chef über sein Vergnügen an politisch fragwürdigen Dunkelmännern. Prompt wird auch diese Premiere verschoben, die Schauspielerin Jeanne Balibar hat sich bei den Proben verletzt.
Es ist ein unangenehmer Gedanke, aber rein statistisch scheint das Risiko, dass eine Premiere platzt, nach einem tip-Interview deutlich zu steigen. Vielleicht sollte ich in Zukunft nur noch Regisseure intervie­wen, denen ich wünsche, dass ihre Premiere nie rauskommt.

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