Theater

Rocky Horror Show im Admiralspalast

RHS_8195_by_Thommy-MardoDabei gehörte das doch die letzten drei Jahrzehnte (neben Klopapier und Wasserpistolen) zu den unabdingbaren Mitbringseln eines jeden „Rocky Horror“-Fans. Vorbei! Im Admiralspalast kommt das Stück um die außerirdische Rasselbande des Transvestiten Frank’n’Furter nicht nur reloaded (Eigenwerbung), sondern vor allem reisfrei auf die Bühne.

Und auch wenn es all die anderen Stück-typischen Interaktiv-Accessoires (vorgefüllte Wasserpistole, Klopapierrolle, Leuchtstab) am Stand zu kaufen gibt, ist das der passende Vorgeschmack auf zwei keimfreie Musical-Stunden: Regisseur Sam Buntrock desinfiziert den verruchten Klamauk über die sexuelle Befreiung in den 70ern zum biederen Proletenklamauk. Song für Song, Szene für Szene heftet sein Musical-Ensemble das Stück auf der Bühne ab: stimmlich und musikalisch perfekt, choreografisch so genau wie uninspiriert: Sein blonder (wie originell!) Frank­’n’Furter (Rob Morton Fowler) ist kein lasziver Verführer, sondern ein muskelbepackter Bösewicht, der auf seinen Pumps brachial durchs Partyschloss stakst. Ebenso fehl am Platz wie muskelmodelliert: Kunstwesen Rocky (Andrew Gordon-Watkins), der per skur­ri­lem Schattenspiel auf die Welt kommt. Der könnte mit seinen langen goldenen Samthosen und blonder Wallemähne wahlweise bei den Chippendales oder als Tarzan (gibt’s ja auch gerade als Musical in Hamburg) auftreten. Einziger Lichtblick bei diesem traurigen Tanz der Testosteron-Tucken: Die strapsbewehrten Altfans, die sich trotz dieses schamlosen Ausverkaufs und des unsäg­lichen Erzählers Martin Semmelrogge nicht den Spaß verderben ließen und ausgelassen mit ihren faltigen Popos wackelten.

Text: Björn Trautwein

Foto: Thommy Mardo

Uninteressant

Rocky Horror Show Admiralspalast, Friedrichstraße 101, Mitte, bis 23.11., Di-Do 20 Uhr, Fr 18.30+22 Uhr, Sa 17.30+21 Uhr, So 18.30 Uhr; Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

Weitere Rezensionen: Thomas Bernhards „Ritter, Dene, Voss“ in den Kammerspielen, Frank Castorfs „Kean“-Inszenierung , Rosa am Grips Theater, Anatol in der Schaubühne

 

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