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„ROM – Die lange Rückkehr in den Westen“ im Ballhaus Ost

Rom„Bis hierhin ging alles mehr oder weniger gut. 26 Jahre lang. Auf meine Kosten. Solange ich die Klappe hielt, waren alle zufrieden“, resümiert der 35-jährige Bronek bitter. Die Familie sitzt gerade im Taxi zum Flughafen, am Ende des Rom-Urlaubs, als sich der erwachsene Sohn in ein „wütendes Erinnerungs-Orakel“ verwandelt und die Blase „alltäglicher Sprachlosigkeit“ platzen lässt. Er rechnet mit Mutter Greta („popeliger Magiestolz und verschenkte Weiblichkeit“) und Vater Viktor („Gipfel-Ruhe-Typ mit dem Hang zu einer einzigen Aussicht“) ab.
Die hatten ihn 1984 als Neunjährigen im Nachkriegsrecht-Polen als „Pfand“ sitzen lassen und sich mit der jüngeren Schwester nach „Mercedesland“ abgesetzt. Ein Jahr später durfte Bronek dann nachreisen.

„ROM – Die lange Rückkehr in den Westen“ ist ein Familiendrama, das den Migrationshinter- in den Vordergrund rückt. Dass sein Autor Przemek Zybowski als Zehnjähriger nach Deutschland kam, 1985, ist natürlich keine nur zufällige Parallele. Mittlerweile lebt er in Berlin, arbeitet als Psychiater und an Texten für das Theater, gemeinsam mit dem Regisseur Johannes Wenzel. Im Herbst gewann Zybowski den österreichischen Literaturpreis Floriana, dessen Jury auch vom „formalen Geschick“ beeindruckt war, „verschiedene Erzähl- und Zeitebenen miteinander zu verschränken.“

Beispielhaft dafür ist auch der erstaunliche Theatermonolog „Hosianna“, uraufgeführt 2011 am Hamburger Schauspielhaus, der im Ballhaus Ost im November zu sehen war. Schauspieler Janning Kahnert verkörperte darin Adom, eine plötzliche Erscheinung auf einem deutsch-polnischen Kulturfest, das nicht beginnen will. Wie in einem Krimi legt Adom Spuren in seine düsteren kindlichen, manchmal Science-Fiction-haften Erinnerungswelten, bevölkert von Monstern sozialer Klaustrophobie und Gewalt.
In Zybowskis Texten bricht immer das Zeitgeschehen, die große Politik in das kleine einzelne Leben ein, in „ROM“ etwa das Kriegsrecht, dessen Erklärung am Morgen des 13. Dezembers 1981 das Kinder-Fernsehen unterbrach. Doch bei der Flucht aus den prekären polnischen Verhältnissen ist einiges auf der Strecke geblieben. „Als Pole kann man nicht weiter weg flüchten als nach Deutschland. Dagegen sind die USA oder Australien ein Katzensprung.“     

Text: Anja Quickert
Foto: Wenzel Zybowski

ROM – Die lange Rückkehr in den Westen
Fr 8., So 10., Mo 11.3., 20 Uhr,
im Ballhaus Ost,
Tickets: 44 03 91 68

 

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